Essen erleben und sich bewegen im Kindergarten

5. November 2015, 09:42
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Salzburg – Im Naturparkkindergarten Zederhaus wird der Umgang mit der eigenen Ernährung für die Drei- bis Sechsjährigen praktisch vorgeführt. Da wird schon mal ein alter Krauthobel aus Holz ausgepackt, das Kraut angesetzt und über Wochen beim sauer werden beobachtet. Im Hochbeet im Außenbereich pflanzen die Kinder selbst Gemüse an und der Kräutergarten liefert die Zutaten für den eigenen Kindergarten-Tee. Am Acker beim benachbarten Bauern sind die Kinder auch bei der Kartoffelernte im Einsatz.

Eva Fanninger, die Leiterin des Naturparkindergartens, sieht es als ihren "Auftrag Kindern Bildung erlebbar zu machen". Das gesunde Aufwachsen von Kindern müsse eine Selbstverständlichkeit werden und dazu gehöre sowohl die Ernährung als auch ausreichend Bewegung.

Im Kindergarten Zederhaus wird die tägliche Turnstunde mit dem "Saltolied" eingeleitet. Die Kindermusikkappelle sammelt mit Orfinstrumenten ausgerüstet alle Kinder ein, dann beginnt die Bewegungseinheit. Aber auch bei alltäglichen Tätigkeiten werden Bewegungsübungen eingebaut. Am "Rückwärtstag" gehen die Kinder eben rückwärts zum eigens installierten Trinkbrunnen, an einem anderen Tag auf einem Bein hüpfend.

Jedes vierte Kind übergewichtig

Der Kindergarten Zederhaus ist einer der insgesamt zehn Kindergärten, die an dem Projekt "Salzburg together against obesity" (Salto) teilnehmen, das dem Übergewicht bei Kleinkindern den Kampf ansagt hat. Eine im Mai durchgeführte Studie unter 200 Salzburger Kindergartenkindern zeigt, dass jedes vierte Kind übergewichtig oder adipös ist. Um dem entgegenzuwirken, erarbeitet Salto mit den Kindergärten individuell angepasste Bewegungs- und Ernährungsprogramme und begleitet sie drei Jahre. Damit sollen die Kinder spielend leicht ein Bewusstsein für gesunde Ernährung entwickeln und ihre motorischen Fähigkeiten verbessert werden.

Ein Motoriktest in den Kindergärten habe gezeigt, dass bereits unter den Dreijährigen übergewichtige Kinder signifikant schlechter abschneiden als Normalgewichtige, erklärt Salto-Projektleiterin Susanne Ring-Dimitriou. Übergewichtige Kinder würden sich bereits schwertun, eine Rolle zu machen oder könnten schlechter balancieren. "Manche Kinder wissen nicht einmal mehr, wie man richtig hüpft", sagt Ring-Dimitriou. Um die Bewegungsfähigkeiten zu verbessern, wird den Kindergartenpädagoginnen didaktisches Material und verschiedene Übungen in Form von Bewegungs- Balancier- und Ballspielen zur Verfügung gestellt.

Babyspeck wächst sich nicht aus

Diese frühzeitige Prävention sei wichtig, denn der Babyspeck wachse sich in der Regel auch nicht aus, erläutert die Projektleiterin. 85 Prozent der übergewichtigen Fünfjährigen werden auch als Jugendlicher übergewichtig sein. Wenn nichts gemacht werde, würden die Kinder auch später in der Schule bei Bewegung und Sport schlechter abschneiden. Dadurch würden sich viele ausgeschlossen fühlen und so den Zugang zum Sport verlieren. (Stefanie Ruep, 5.11.2015)

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