Crowdfunding scheitert am "Elk-Test"

8. November 2015, 09:00
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Enge Grenzen des Crowdfunding-Gesetzes haben bei der Fertighausfirma Elk eine Schwarmfinanzierung vereitelt – und bieten Ansatz für Kritik

Wien/Schrems – Beim Begriff Schwarmfinanzierung denken wohl die wenigsten an Fondsmanager und Stiftungsvorstände im Nadelstreif. Auch der niederösterreichische Fertighauserzeuger Elk offenbar nicht, dessen Crowdfunding-Campagne an den engen Grenzen des seit September geltenden Alternativfinanzierungsgesetzes gescheitert ist: "Wir hätten ein Private Placement daraus machen können, das war für uns aber uninteressant." Das Problem: Das neue Gesetz, das Crowdfunding eigentlich auf ein rechtlich solides Fundament hieven sollte, ist explizit nur für Start-up-Unternehmen und den Mittelstand.

Zu groß für den Schwarm

"Elk ist aufgrund einer EU-Empfehlung kein mittelständischer Betrieb", bringt Jörg Bartussek, Geschäftsführer des Crowdfunding-Anbieters Finnest, das Problem auf den Punkt. Konkret geht es um eine Definition der EU-Kommission aus dem Jahr 2003, wonach ein Mittelständler höchstens 250 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro erzielen darf – zu wenig für Elk mit 168 Mio. Jahresumsatz und mehr als 1300 Mitarbeitern. "Ein Großteil der Unternehmen, die wir als Zielgruppe sehen würden, fällt deshalb einfach heraus", kritisiert Bartussek diese Einschränkungen.

"Es gibt eine klare Definition von Klein- und Mittelbetrieben – und Elk gehört nicht dazu", kontert Markus Habermann, Sprecher im Wirtschaftsministerium. "Es ist primär darum gegangen, für Start-ups und kleine Unternehmen die Finanzierung zu erleichtern." Aber auch größere Firmen können sich laut Habermann über Crowdfunding finanzieren, seien dafür aber zur Vorlage eines vollständigen Kapitalmarktprospekts verpflichtet. Allein, die Erstellung dieses Prospekts ist derart zeit- und kostenintensiv, dass dadurch Schwarmfinanzierungen de facto unattraktiv werden.

Konkurrenz belebt Geschäft

Damit bleibt ein Großteil der österreichischen Unternehmen bei Crowdfunding außen vor und fällt um dessen Vorteile um. Dazu zählt etwa, sich neben den Banken und gegebenenfalls auch dem Kapitalmarkt eine weitere Finanzierungsquelle zu sichern. Gerade in Zeiten, in denen der Mittelstand über schleppende Kreditvergabe der Banken klagt, gewinnen Alternativen an Bedeutung. Zumal ja Konkurrenz sprichwörtlich das Geschäft belebt. Schwarmfinanzierungen bieten zudem die Möglichkeit, neue Kundenbeziehungen zu etablieren – schließlich kann aus dem zufriedenen Geldgeber von heute ein Produktabnehmer von morgen werden.

Im Gegenzug kann es auch für Anleger reizvoll sein, in ein etabliertes Unternehmen aus der Region zu investieren – gerade in Zeiten gegen null tendierender Sparbuchzinsen. Die eine halbe Million Euro schwere Finanzierung des Herstellers von Nahrungsergänzungsmitteln Biogena bringe der Crowd etwa auf fünf Jahre eine Verzinsung von sechs Prozent, hebt Finnest-Chef Bartussek hervor, der auch für eine Lockerung der Höchstgrenze beim Volumen von Schwarmfinanzierungen von fünf Mio. Euro ist.

Elk-Chef Erich Weichselbaum hält das Alternativfinanzierungsgesetz trotz dieser Einschränkungen nicht für grundsätzlich reparaturbedürftig, wünscht sich aber eine klarere Kommunikation, für wen es geeignet ist – und fügt hinzu: "Dass der Mittelstand unterstützt und gestärkt wird, sollte unser aller Anliegen sein." (Alexander Hahn, 8.11.2015)

  • Kein Zutritt für die breite Masse: Wegen eng gezogener rechtlicher Grenzen musste die Fertighausfirma Elk von einer Crowdfunding-Finanzierung Abstand nehmen.
    foto: apa/dpa-zentralbild

    Kein Zutritt für die breite Masse: Wegen eng gezogener rechtlicher Grenzen musste die Fertighausfirma Elk von einer Crowdfunding-Finanzierung Abstand nehmen.

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