"The Last Panthers": Räuber in der Rue de la Gack

5. November 2015, 05:30
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Die von Sky und dem französischen Canal+ produzierte Serie erzählt die Geschichte einer serbischen Räuberbande episch dicht, mehrsprachig und mit starker europäischer Färbung. Ab 12. November

Wien – Logistik ist alles. Für den gut geplanten Banküberfall bedeutet das vor allem: zu Ende denken! Rechtzeitig das Gebäude verlassen, in entgegengesetzte Richtungen laufen, Polizeibarriere bilden – einer steckt den Lastwagen in Brand, ein anderer zündet den Pkw an, Beute im Vorbeigehen übergeben, und wenn es eng wird, sich in einer Mülltonne verstecken. Zwei schaffen es, der dritte nicht. Der schießt auf den Polizisten – und trifft ein Kind.

Die Beute wird zur Bürde in "The Last Panthers", einer vom französischen Canal+ und von Sky produzierten Dramaserie. Was macht man mit Schmuck im Wert von 15 Millionen Euro, wenn der Abnehmer kalte Füße bekommt?

"Rosarote Panther" als Serienvorbild

Das Zeug zu verscherbeln versucht der Serbe Milan (Goran Bogdan) an den räudigsten Plätzen zwischen Marseille und Belgrad. Schon sehr bald landet er in der sprichwörtlichen Rue de la Gack. "The Last Panthers" folgt der wahren Geschichte eines raffinierten Verbrechernetzes, bei der Polizei "rosarote Panther" genannt, weil sie einmal – wie in der berühmten Filmvorlage – ihre Beute in Gesichtscreme versteckten. Seit mehr als 20 Jahren unternimmt die Bande vom Balkan aus Raubzüge in Europa, Asien und den Golfstaaten. Gefasst wurde zumindest ein Teil der Räuber 2012 in Wien, wo sie unter anderem im 17. Bezirk einen Juwelier überfallen hatten.

Wien kommt in den sechs Teilen nicht vor. Nichtsdestotrotz ist das Setting faszinierend anders im Vergleich zu austauschbarem USA- und Skandinavien-Krimi-Einheitsschauplätzen. Die Verbrecherjagd wird eingeleitet von einem traurigen Titelsong David Bowies und getragen von einem Ensemble, das in unterschiedliche Lebenswelten weist: Naomi (Samantha Morton), die für eine Versicherung ebenfalls an die Klunker will. In Rückblenden wird ihre Geschichte erzählt: als Blauhelm auf dem Balkan. Khalil (Tahar Rahim), der im berüchtigten Viertel Les Agnettes in Marseille wohnt und damit seinen Startvorteil im kriminellen Umfeld nützt. Und Tom, der große John Hurt, Naomis Boss und raffinierter als alle. Nicht zuletzt in der Originalfassung gewinnen die Panther Authentizität: Alle sprechen ihre eigene Sprache, nur Englisch wird nicht untertitelt. Vorbild an Vielfalt. (Doris Priesching, 5.11.2015)

  • Polizist mit Migrationshintergrund: Khalil (Tahar Rahim) stammt aus Les Agnettes und jagt die serbischen Panther.
    foto: jonathan olley

    Polizist mit Migrationshintergrund: Khalil (Tahar Rahim) stammt aus Les Agnettes und jagt die serbischen Panther.

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