Umwelt und Klima beeinflussten die Sprachentwicklung

5. November 2015, 07:00
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Je unwirtlicher und karger eine Gegend ist, umso konsonantenreicher erweist sich die Sprache, die dort gesprochen wird

Washington/Wien – Dass Umweltbedingungen wesentliche Auswirkungen auf die anatomische Entwicklung menschlicher Vorfahren genommen haben, ist mittlerweile grundsätzlich erwiesen. Offenbar geht der Einfluss von Klima und Landschaft jedoch weiter, als man bisher gedacht hat: Eine aktuelle Studie legt nahe, dass auch die Entwicklung der Sprache unmittelbar mit der Umgebung in Zusammenhang steht, in der sie entstanden ist.

Zu diesem Schluss kommt eine internationale Gruppe von Forschern um Ian Maddieson von der University of New Mexico, die die Lautstrukturen von insgesamt 628 weltweit verwendeten Sprachen genauer analysiert hat. "Unsere Untersuchungen lassen eine klare Beziehung zwischen der Zahl der Konsonanten einer Sprache und der Gegend erkennen, in der sie bevorzugt gesprochen wird", meint Maddieson, der seine Arbeit beim aktuellen Treffen der Acoustical Society of America in Jacksonville, Florida, vorstellte.

Die präsentierten Resultate unterstützen die sogenannte Acoustic-Adaptation-Hypothese, der zufolge Tiere ihre akustischen Signale an ihre Umgebung anpassen. Um festzustellen, ob diese These auch für den Menschen Gültigkeit hat, setzten die Linguisten phonologische Daten mit den jeweiligen Klima- und geografischen Bedingungen in Beziehung.

Mehr Wald, weniger Konsonanten

Die Analysen ließen einen eindeutigen Zusammenhang erkennen: Je höher die lokale Durchschnittstemperatur einer Gegend ist und je karger und unwirtlicher sie sich zeigt, umso größer ist der Anteil der Konsonanten der in dieser Region gesprochenen Sprache. Nach Ansicht der Forscher spielen Wind- und Regenhäufigkeit eine zusätzliche Rolle bei der Ausformung der Lautäußerungen.

"Unsere Ergebnisse würden auch erklären, warum Sprachen in waldreichen Regionen zu einem geringeren Konsonantengehalt tendieren", meint Maddieson. (tberg, 5.11.2015)


Abstract
"Human spoken language diversity and the acoustic adaptation hypothesis." – zu finden unter der Präsentationsnummer #3aSC1

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