Verbot von Live-Wetten: Aufs falsche Pferd gesetzt

Kommentar4. November 2015, 18:03
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Suchtfachleute warnen, dass die hohe Frequenz an Einzelwetten labile Persönlichkeiten in eine Abhängigkeit treiben kann

Man muss kein Rapidler sein, um zu jubeln, wenn Steffen Hofmann nach der Pause eingewechselt wird, nach dem fünften Eckball in der zweiten Halbzeit mit seinem dritten Ballkontakt die Wuchtel ins linke Kreuzeck donnert und damit den Sieg fixiert. Wer im Rahmen von Live-Wetten all die statistischen Details errät, kann nämlich mehrfach absahnen.

Die zugelassenen Wetteinsätze sind (in Österreich) nicht so hoch, dass bei einem multiplen Gewinn gleich eine neue Corvette bestellt werden kann. Doch für die Sportwettenanbieter sind die Live-Wetten derzeit der große Gewinn. Sie haben den Anbietern zuletzt Zuwächse von mehr als 15 Prozent gesichert.

Bei einem einzigen Fußballmatch können inzwischen bis zu 200 Einzelwetten platziert werden. Und genau das ist das Problem. Suchtfachleute warnen, dass die hohe Frequenz labile Persönlichkeiten in eine Abhängigkeit treiben kann. Auch deshalb sollen Live-Wetten jetzt in Wien verboten werden (in Vorarlberg sind sie es schon).

Dass die Wettbranche schäumt, war eine sichere Einserbank. Dass das Verbot (ähnlich wie das Aus für das kleine Glücksspiel in Wien) kommen soll, ist aber keine Überraschung. Trotzdem setzen die Wettanbieter aufs Lamentieren, anstatt mit seriösen Alternativen den heimischen Markt gegen zwielichtige Online-Buchmacher abzusichern. Das ist sicher das falsche Pferd. (Michael Simoner, 4.11.2015)

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