Klima- und Energiefonds mit weniger Kohle

5. November 2015, 05:30
30 Postings

Weltweit gewinnen erneuerbare Energien dazu. Nicht so in Österreich, wo in klimapolitischen Fragen der Sparstift regiert

Wien – Während weltweit große Anstrengungen zu bemerken sind, von fossilen Energien wegzukommen, und auf erneuerbare Energien umgestiegen wird, stagniert diese Entwicklung in Europa. Österreich ist dabei Schlusslicht: Derzeit fallen viele Umweltförderungen, die dem Klima dienen, dem Sparbudget zum Opfer. So wird der Klima- und Energiefonds, der heuer noch über Mittel von 126 Millionen Euro verfügte, künftig nur mehr rund 85 Millionen zur Verfügung haben.

Zwar sieht Klimafonds-Geschäftsführer Ingmar Höbarth diese Streichung gelassen. In manchen Bereichen, etwa der Photovoltaik, hätten sich in den letzten Jahren die Preise so sehr nach unten entwickelt, dass Förderprogramme auch mit einem gekürzten Budget erfolgreich weitergeführt werden könnten.

Anschluss verloren

Doch sei die EU, insbesondere Österreich, dabei, den Anschluss bei erneuerbaren Technologien zu verlieren, führt Jurrien Westerhof, Geschäftsführer erneuerbare Energie Österreich, aus. Denn China und die USA investierten stark in deren Ausbau.

Für die kleine österreichische Branche, die sich im Bereich Photovoltaik, Windkraft und Biomasse umtut, sei diese Entwicklung fatal. Die entscheidende Schwungmasse für die Durchdringung mit neuen Produkten und Technologien fehle immer mehr, führt Westerhof angesichts rasant wachsender Märkte in Übersee und bestenfalls gleichbleibender in Europa aus: "Es muss entschlossener für die Energiewende eingetreten werden."

Beim Budget sparen

Klimaschutzmaßnahmen wurden im österreichischen Sparbudget für das Jahr 2016 aber zusammengestrichen: Die thermische Sanierung wird auf 43,5 Millionen Euro fast halbiert – der STANDARD berichtete. Und beim Sanierungscheck wird ebenso der Sparstift angesetzt wie beim Klimafonds.

Weltweit sei laut den Experten jedenfalls eine Energiewende zu beobachten. Allerdings dürfte da, ähnlich wie bei den Autoabgasen, gehörig geschummelt werden. Laut "New York Times" hat China viel höhere Emissionen als bisher angenommen, da das Land jährlich rund 17 Prozent mehr Kohle verbraucht als angegeben.

Für die USA wird der Rückgang bei den Treibhausgasen darauf zurückgeführt, dass Kohle aus dem Markt gedrängt und stattdessen auf (Schiefer-)Gas gesetzt wurde. "Die Regulierung der Kohlekraftwerke in den USA ist strenger als in Europa", erläutert Georg Günsberger bei der Präsentation der Klimafonds-Studie "Faktencheck Energiewende". Die Zeiten, in denen Europa Taktgeber bei Klimaschutzmaßnahmen war, seien vorbei.

Reserven nicht ausbeuten

Bei den Verhandlungen um ein Klimaschutzabkommen in Paris im November wird es unter anderem darum gehen, dass sich die Weltgemeinschaft darauf einigen kann, dass große Teile der bekannten fossilen Energieressourcen im Boden bleiben.

Nach derzeitigem Wissen über die Vorkommen von Kohle, Erdgas und Erdöl sollten zwei Drittel dieser Ressourcen im Boden verbleiben. Nur dann kann das Ziel, die Erderwärmung mit zwei Grad Celsius zu begrenzen, erreicht werden. Vor allem die noch verfügbare Kohle, die beim Verbrennen besonders viel Kohlendioxid (CO2) abgibt, muss demnach zu 80 Prozent ungenutzt bleiben.

Rückzug bei Kohlekraft

In Österreich ist die klimaschädliche Kohle schon lange kein zentraler Energieträger mehr. Inklusive Industrie kommen lediglich sieben bis acht Prozent der Energie aus Kohle. Trotzdem kommt es zu einem weiteren Rückzug. Am Donnerstag kündigte der niederösterreichische Energieversorger EVN an, dass die Einsatzstunden des Kohlekraftwerks Dürnrohr weiter heruntergefahren und es bis 2025 ganz abgeschaltet werden soll. (Johanna Ruzicka, 5.11.2015)

  • Erneuerbare Energien, etwa aus Windkraft oder Photovoltaik, sind immer mehr präsent. 59 Prozent der im Vorjahr fertiggestellten Kraftwerke kommen aus diesem Bereich.
    foto: dpa

    Erneuerbare Energien, etwa aus Windkraft oder Photovoltaik, sind immer mehr präsent. 59 Prozent der im Vorjahr fertiggestellten Kraftwerke kommen aus diesem Bereich.

Share if you care.