Greenpeace: Genpflanzen beenden den Welthunger nicht

5. November 2015, 05:30
304 Postings

Bericht stellt Versprechen der Gentechnikindustrie Studienergebnisse aus zwei Jahrzehnten gegenüber

Wien – Die gesamte Weltbevölkerung durch den Einsatz von Gentechnik ernähren zu können: Das war eines der Argumente, die vorgebracht wurden, als in den 1990er-Jahren die ersten gentechnisch veränderten Kulturpflanzen angebaut wurden. 2015 ist der Welthunger nicht beendet.

Das sei nur eines von vielen Versprechen der Gentechnikindustrie, die seit den 1990ern zwar gebrochen wurden, aber trotzdem auch weiterhin gemacht werden, heißt es in der Einleitung zu einem am Donnerstag in Wien präsentierten Report der Naturschutzorganisation Greenpeace.

Die Umweltschützer listen darin sieben Argumente auf, die die Gentechnikindustrie gern kommuniziert, und stellen sie Faktenchecks gegenüber. Für den Report wertete Greenpeace Studien und Metastudien zu Gentechnik in der Landwirtschaft der letzten zwei Jahrzehnte aus.

Erhöhter Pestizideinsatz

Die Konzerne argumentieren zum Beispiel damit, dass Gentechnik die Erfindung sei, um Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Greenpeace stellt dem Studienergebnisse gegenüber, die zeigen, dass auch ohne Gentechnik widerstandsfähige Pflanzen gezüchtet werden können, die fähig sind, Krankheiten oder Dürren zu trotzen. Die Gentechnik hingegen habe ihr Versprechen, die Schädlingsbekämpfung zu vereinfachen und den Pestizideinsatz zu reduzieren, bisher nicht gehalten.

Stattdessen habe die Verwendung von Herbiziden bei gentechnisch veränderten Pflanzen in den USA von 1996 bis 2011 um 183 Millionen Kilogramm zugenommen. Demselben Studienautor zufolge könnte der Einsatz des Herbizids Glyphosat um mehr als 800 Prozent steigen, wenn EU-weit gentechnisch veränderte Soja-, Mais- und Baumwollsorten angebaut würden.

Unternehmenskonzentration

Genpflanzen seien außerdem anderen Innovationen hinderlich, heißt es weiter im Greenpeace-Report. Denn Saatguttechnologien gelten als geistiges Eigentum. Der Saatgutmarkt wird nur von wenigen Unternehmen kontrolliert: Die Chemiekonzerne Monsanto, DuPont und Syngenta kontrollierten 53 Prozent des Marktes. Monsanto besitze 87 Prozent aller Gensaaten, heißt es im Report. Patentierung könne, so wird ein UN-Weltagrarbericht zitiert, Kosten in die Höhe treiben, Forschungen einschränken und lokale Praktiken zur Stärkung der Ernährungssicherheit untergraben.

Positiv bewertet Greenpeace, dass Gentechnik kaum an Beliebtheit gewinnt. Auf nur drei Prozent der weltweiten Agrarflächen würden Genpflanzen angebaut. Besonders skeptisch zeige sich die EU. Österreich müsse aber künftig auch in der Tierzucht auf den Import von Gen-Futtermitteln verzichten. (Christa Minkin, 5.11.2015)

  • Die Widerstandsfähigkeit von Genpflanzen ist umstritten.
    foto: ap / sven kaestner

    Die Widerstandsfähigkeit von Genpflanzen ist umstritten.

Share if you care.