Wie die OeNB der Hypo ein "not distressed" verschaffte

4. November 2015, 16:58
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U-Ausschuss: Notenbankern waren die Noten "sound" und "distressed" zu wenig – Bawag war notleidend

Wien – Im Hypo-U-Ausschuss versuchten die Mandatare am Mittwoch weiter zu klären, warum die Bank im November 2008 als "not distressed" eingestuft wurde. Als Auskunftspersonen traten Notenbanker auf: Peter Breyer, der die Hypo-Analyse damals, ein Jahr vor der Verstaatlichung, federführend erstellt hatte, und sein Abteilungschef, Johannes Turner.

Kurz zur Erklärung: Die Hypochefs hatten damals um staatliches Partizipationskapital angesucht, die Nationalbank (OeNB) musste in diesen Fällen im Auftrag des Finanzministeriums die Analyse erstellen. Im Wording der EU-Kommission gab es nur zwei Bewertungen: sound (gesund) oder distressed (notleidend). Notleidende Banken mussten mehr fürs Kapital zahlen und einen Restrukturierungsplan vorlegen.

Kein Druck

Die Abgeordneten löcherten Breyer, er blieb bei seiner Linie: Das Zeugnis "not distressed" sei während der Arbeit seiner Gruppe entstanden, es habe "keinen Druck" auf ihn gegeben. Für ihr Gutachten hätten die Notenbanker nur vier Tage Zeit gehabt. Er habe klargemacht, dass man in dieser Zeit keine Due Diligence erstellen könne, die OeNB habe nur "plausibilisiert". Er habe seinen Auftrag erfüllt, der da gelautet habe: "Mach, was du kannst." Mit der engen Auswahl sound oder distressed konnte er sich nicht anfreunden. "Schwarz oder weiß gibt es bei der Bankenbewertung nicht", erklärte er, "normalerweise gab es die Noten eins bis sechs." Das "not distressed" habe die "internen Diskussionen" widergespiegelt, er selbst sei an der Wortfindung "beteiligt gewesen".

Und, was vielen nicht bewusst war: Die OeNB habe damals keine der Großbanken, die sich PS-Kapital holten, als "sound" eingestuft, alle galten als "not distressed". Die Bawag wurde sogar als "distressed" eingestuft.

Kritisch bleiben

Nicht müde wurden die Mandatare, Breyer auf den Zahn zu fühlen – was seinen Grund auch in internen E-Mails hat, die 2014 den Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben. Aus ihnen geht hervor, dass Breyer damals gegenüber seinen Kollegen und seinem Chef gemeint hatte, "eine Hypo und eine Bawag sind (...) niemals als financially sound zu bezeichnen". Man solle "unbedingt kritisch bleiben".

Wie Turner betonte er, dass die OeNB die überoptimistischen Prognosen der Hypo in ihrer Analyse relativiert habe, "wir bezeichneten sie als Best-Case-Szenario". In der Zusammenfassung sei es da aber zu einer "Verkürzung" gekommen, bedauerte Turner.

Nur eine Zahl von damals: Die Hypo sagte Ende 2008 für 2009 einen Gewinn von 367 Millionen Euro voraus. Es wurde dann ein Verlust von 1,45 Milliarden Euro. (gra, 4.11.2015)

  • Optimistische Prognose für die Wackelbank – und wie es dazu kam.
    foto: reuters/bader

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