Allview X2 Soul Extreme im Test: Phablet mit Vollausstattung

28. November 2015, 09:45
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2K-Display und 24-MP-Kamera mit optischer Bildstabilisierung – guter Eindruck trotz Interface-Defiziten

Das Smartphone-Preissegment zwischen 200 und 500 Euro wird zunehmend hart umkämpft. Denn längst nicht jeder will sich angesichts einer wachsenden Zahl interessanter Angebote die Preise leisten, die etwa Apple und Samsung für ihre Topgeräte verlangen.

Dabei sind es nicht nur etablierte Marken wie Motorola oder von großen Firmen gestützte Start-ups wie OnePlus, die das mittlere Kostensegment für sich entdeckt haben, auch kleinere Anbieter stoßen zunehmend in diesen Bereich vor. Schon länger mit dabei sind etwa die französischen Firmen Archos und Wiko. Aus England mischt Wileyfox mit. Und auch aus Rumänien macht ein Name auf sich aufmerksam: Allview.

Vor fünf Jahren als Tabletproduzent gestartet, liefert die Firma längst auch Smartphones für verschiedene Ansprüche. Auch für Freunde sehr großer Bildschirme, sprich Phablets, hat man ein Gerät mit dem etwas sperrigen Namen X2 Soul Extreme im Sortiment. Es verspricht Rundumaustattung in Kombination mit einem 2K-Display und einer enorm hohen Kameraauflösung. Der WebStandard hat sich das Android-Smartphone in einem Kurztest angesehen.

foto: derstandard.at/pichler
foto: derstandard.at/pichler

Sechs Zoll beträgt die Display-Diagonale des großen Handys. Mit einer Auflösung von 2.560 x 1.440 kommt es somit auf eine Pixeldichte von 490 PPI. Im Alltag ist der Unterschied zu einem Full-HD-Panel nicht erkennbar, für Virtual Reality-Spielereien ist die hohe Pixeldichte allerdings vorteilhaft.

In Sachen Farben und Kontrasten schlägt sich der Bildschirm ordentlich, kommt allerdings nicht an die Darstellungsqualität der Highend-Geräte von LG, Samsung und Co. heran. Die maximale Helligkeit könnte höher sein.

Mit 164 x 82 x 9,6 Millimeter bei 204 Gramm Gewicht ist das X2 Soul Extreme beileibe kein kleines Telefon. In engen Hosentaschen könnte das Mitführen des Gerätes unbequem werden. Wenig Gefallen hat sich Allview damit getan, auf Onscreen-Navigation zu verzichten und stattdessen kapazitive Tasten zu verbauen, die das "Kinn" des Handys unnötig verlängern. Auf der rechten Seite sitzen eine schlecht erreichbare, weil zu hoch platzierte Lautstärkewippe, der Ein/Aus-Schalter und ein eigener Kamera-Button. Er dient als Auslöser und startet bei langem Druck die Aufnahme-App.

foto: derstandard.at/pichler

Da die Rückseite gewölbt ist, erscheint das Handy dünner, als es ist, lässt aufgrund der schmalen Randbereiche aber auch gut halten. An einhändige Bedienung ist aufgrund der schieren Dimensionen allerdings nicht zu denken. In Sachen Verarbeitung gibt es keinen Anlass zur Kritik. Die Umrandung ist aus Metall gefertigt, die abnehmbare Abdeckung aus Kunststoff.

Hinter ihr ist Platz für zwei microSIM-Karten sowie eine Speichererweiterung per microSD – zusätzlich zu den 64 GB, die das Smartphone ohnehin mitbringt. Befeuert wird das Gerät von einem Mediatek MT6795-Chip (vulgo Helio X10), der mit acht 64-Bit-kompatiblen Kernen und einem Maximaltakt von 2,2 GHz arbeitet. Mit drei GB hat das X2 Soul Extreme auch eine ordentliche Arbeitsspeicher-Ausstattung.

Auch die anderen Basics passen: 3G, LTE (Band 1, 7, 33, 38 und 39), Bluetooth 4.0, WLAN (802.11ac) sowie NFC sind dabei. Dazu gibt es einen Fingerabdruckleser, der auf der Rückseite sitzt und sehr zuverlässig arbeitet. Der nicht austauschbare Lithium-Polymer-Akku fasst 3.500 mAh. Fürs Aufladen und verkabelte Datenübertragung gibt es einen microUSB-Slot (2.0).

foto: derstandard.at/pichler

In Sachen Empfangsqualität waren keine auffälligen Defizite zu Orten. Die Klangwiedergabe über die Stereo-Lautsprecher erwies sich als überdurchschnittlich gut. Bei höherer Lautstärke war Rauschen zu vernehmen. Zur Hintergrundbeschallung kleinerer Räume taugt die Akustik aber allemal. Gute Soundqualität wird über die 3,5mm-Audioklinke geliefert und beim Telefonieren verstehen sich beide Seiten klar und deutlich.

Einen großen Fokus legt der Hersteller auf die Kamera. Knapp 24 Megapixel liefert der integrierte Sensor mit ptischer Bildstabilisierung, dem ein Phase Detector-Autofokus und ein zweifarbiger LED-Blitz zur Seite stehen. In der Tat lieferte das Smartphone im Testlauf selbst unter etwas erschwerteren Bedingungen fast verzögerungsfrei Aufnahmen.

Die Kamera-App beherrscht dabei diverse Sondermodi. Darunter den "Magic Fokus", der das nachträgliche Fokussieren verschiedener Bildbereiche erlaubt oder eine aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzte Aufnahme mit einer Auflösung von knapp 120 Megapixel (12.608 x 9.456 Pixel). Letztere empfiehlt sich im Wesentlichen dann, wenn man vorhat das aufgenommene Motiv als Poster zu drucken. Da das Gerät bei der Erstellung eines solchen Riesenfotos allerdings ruhig gehalten werden muss, eignet sich dies freilich nur für unbewegte Motive.

foto: derstandard.at/pichler

Was das X2 Soul Extrem ebenfalls beweist: Die Auflösung sagt nicht zwingend etwas über die Qualität der Bilder aus. Unter Tageslicht erzielt man gute Ergebnisse, die qualitativ aber eine Liga unter einem Galaxy S6 oder LG G4 spielen. Betrachtet man die Bilder bei hundertprozentigem Zoom, so fällt auf, dass es teilweise Probleme bei der Farbtreue gibt und auch die Detailtiefe etwas zu wünschen übrig lässt. Positiv muss man dafür anmerken, dass die Kamera sehr unempfindlich gegenüber Gegenlicht ist. Der Weißabgleich reagiert auf selbiges zwar stark und auch die Lichtquelle erscheint vergrößert, es kommt aber kaum zu störenden bunten Lichtbrechungen.

Die Frontkamera spuckt Fotos mit acht Megapixel aus und verfügt über einen Autofokus. Die Ergebnisse sind, bei guten Lichtverhältnisse, als ordentlich einzustufen.

Bei der Oberfläche des Android 5.1-Systems setzt Allview auf eine Eigenlösung, die teils unübersichtlich, teils durchaus interessant ist. Der Appdrawer versteckt sich beispielsweise als kleines Icon über der letzten App-Reihe am Startbildschirm. Er erlaubt eine alphabetische Sortierung der installierten Programme, kann sie aber auch nach Anzahl der Ausführungen reihen.

Der Benachrichtigungsbereich verteilt sich auf zwei Swipe-Gesten. Wischt man vom oberen Rand nach unten, erscheinen lediglich die Benachrichtigungen, die etwas arbiträr in wichtig und unwichtig sortiert werden. Wischt man vom unteren Rand hinauf, tauchen die Schnelleinstellungen auf, deren Belegung und Anordnung frei wählbar ist. Widgets werden vom Launcher unterstützt, es gibt allerdings nur für das vorinstallierte "3D Weather" eine Vorschau.

Allview hat einige zusätzliche Bedienfunktionen integriert. So lässt sich etwa eine Displaysteuerung einschalten, die den Bildschirm ein- und ausschaltet, je nachdem ob der User gerade darauf blickt. Ein Feature, das man sich offenbar von Samsung abgeschaut hat. Ebenso möglich das Durchschalten von Musik, Bildern und den Homescreen-Abschnitten über eine Wischbewegung in der Luft, was allerdings nur mäßig zuverlässig klappt.

Negativ fällt die teils unvollständige und teils kuriose Deutsch-Übersetzung der Oberfläche auf. Dazu wurden auch Standard-Apps wieder Kontaktmanager mit eigener Software ersetzt, der es mitunter am Mehrwert mangelt.

foto: derstandard.at/pichler

Performancetechnisch reiht sich der Helio X10 in Benchmarks gerne am Niveau des Snapdragon 805 ein und erzielt beim Allround-Test mit Antutu rund 51.000 Zähler (etwas mehr als das Samsung Galaxy Note 4). Störende Ruckler waren beim Test nicht zu bemerken, auch App-Installationen oder Webbrowsen ging flott von der Hand. Da der Chip allerdings mit einer etwas schwachbrüstigen Grafikeinheit (PowerVR G6200) ausgestattet ist, hinkt er seinen Qualcomm-Pendants bei fordernden Games hinterher.

Die Akkulaufzeit wird herstellerseitig mit 350 Stunden Standby und zwölf Stunden Sprechzeit im 3G-Betrieb angegeben. Über eine Energiespar-App sollen bis zu 225 Stunden Sprechzeit erzielbar sein. Da es sich um einen Kurztest handelt, kann hierzu kein eigener Eindruck abgebildet werden. Auch die Angaben zur Performance sind in diesem Lichte zu betrachten.

Fazit

Für den OVP von 439 Euro erscheint das Allview X2 Soul Extreme als durchaus spannendes Angebot für Phablet-Freunde, die einer weniger bekannten Marke eine Chance geben würden. Das Gerät punktet mit seiner Vollausstattung in Verbindung mit einer ordentlichen, wenn auch nicht spektakulären Kamera. Diesem Eindruck standen im Kurztest vor allem Kritikpunkte in puncto Ergonomie sowie dem Interface entgegen. (Georg Pichler, 28.11.2015)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion von Allview für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

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Allview X2 Soul Extreme

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