Warum Tiere in Flussnähe mühsam Wasserlöcher graben

6. November 2015, 12:01
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Forscher untersuchten Lebensraum an einem Fluss, der jedes Jahr für einige Monate austrocknet

Berlin – In Regionen, in denen Flüsse während der heißen Trockenzeit versiegen, graben viele Tierarten ihre eigenen Wasserlöcher. Interessanterweise warten sie mit dieser Plackerei aber nicht so lange, bis der Fluss komplett ausgetrocknet ist, sondern fangen schon vorher damit an. Warum das so ist, berichtet der Forschungsbund Berlin.

Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) führten dazu eine Studie im Ruaha-Nationalpark in Zentraltansania durch. Die Beobachtungen fanden an einem 130 Kilometer langen Abschnitt des Großen Ruaha-Flusses über den Zeitraum von drei Trockenperioden von Juni bis November 2011 bis 2013 statt. Dieser Fluss liegt für jeweils etwa drei Monate im Jahr trocken.

Viele vierbeinige Grabarbeiter

Die Forscher konnten Elefanten, Steppenzebras, Warzenschweine und Steppenpaviane beobachten, wie sie Wasserlöcher gruben. Andere Arten bedienten sich an den bereits gegrabenen Löchern, die jeweils bis zu zwei Wochen genutzt wurden. Vermutlich ermöglichen die Wasserlöcher einigen Arten, in Gebieten zu verweilen, die sie sonst während der Trockenzeit verlassen müssten.

Zumindest für einige Zeit hätten den Tieren eigentlich auch die Überreste des Flusses zur Verfügung gestanden. Wenn dieser aufhört zu fließen, hinterlässt er immerhin noch eine Vielzahl an Tümpeln, ehe auch diese verschwinden. Dennoch hatten die Tiere bereits mit dem Graben von Wasserlöchern begonnen, als der Fluss zu fließen aufhörte. Warum die Mühe?

Wasserqualität macht den Unterschied

Die Forscher gehen davon aus, dass es sich um eine Hygienemaßnahme handelt. Das in den restlichen Tümpeln verfügbare Wasser wies eine hohe Belastung durch Bakterien und Kot auf, wie Untersuchungen zeigten. Die Verschlechterung der Wasserqualität ist einerseits auf den Stillstand des Flusses zurückzuführen, da Verunreinigungen nicht mehr abfließen können. Zudem werden zurückbleibende Tümpel wegen der hohen Frequentierung durch Wildtiere immer stärker mit Kot und Urin verunreinigt.

Das Wasser in den eigens gegrabenen Trinklöchern war da deutlich frischer. Vermutlich verringern Wildtiere also durch ihre Arbeit die Infektionsgefahr, die durch die Aufnahme von potenziellen Krankheitserregern entsteht. (red, 6. 11. 2015)

  • Ein Wasserloch zu graben, ist ein beträchtlicher Aufwand. Aber die Mühe lohnt sich.
    foto: claudia stommel/izw

    Ein Wasserloch zu graben, ist ein beträchtlicher Aufwand. Aber die Mühe lohnt sich.

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