Nasa sucht bereits nach Landeplatz für bemannte Marsmission

4. November 2015, 17:59
69 Postings

Erstes Treffen von Experten diente dem Brainstorming für eine in 20 Jahren geplante Landung auf dem Roten Planeten

Washington – Irgendwann um das Jahr 2035 will die US-Raumfahrtbehörde Nasa Menschen auf dem Mars landen lassen. Die Pläne dafür wurden bereits während George H. W. Bushs erster Präsidentschaft im Jahr 1992 vorgestellt. Sein Sohn griff das Projekt 2004 wieder auf, und auch Obama hielt daran fest – trotz einiger gravierender finanzieller Beschneidungen. Eine kürzlich einberufene Zusammenkunft erhärtet nun den Eindruck, dass es der Nasa mit ihren Mars-Plänen weiterhin durchaus ernst ist.

Bei dem am Lunar and Planetary Institute in Houston, Texas, veranstalteten Workshop sollten erstmals Vorschläge für potenzielle Landeplätze auf dem Roten Planeten auf den Tisch gelegt werden. Experten unterschiedlichster Fachrichtungen, darunter Planetologen, Geologen, Bergbau-Ingenieure bis hin zu Astronauten, versammelten sich zwischen 27. und 30. Oktober, um ihre Ideen zu präsentieren. Insgesamt waren 45 Fachgruppen vertreten.

Entscheidungen wurden freilich noch keine getroffen, auch keine engere Wahl. Vorerst geht es der Nasa vor allem darum, allen möglichen Interessen Gehör zu verschaffen und zu begutachten, was gefordert wird. Immerhin ist die Wunschliste der vielen Forscher lang, was die Suche nach einem idealen Landeplatz schwierig macht.

Schwierige Suche nach idealem Landeplatz

Die vorgebrachten Kriterien ähneln weitgehend jenen, die bei Rover-Missionen eine Rolle spielen: Eine perfekte Landeregion sollte zumindest in der Vergangenheit lebensfreundliche Bedingungen geboten haben, Felsen beherbergen, die durch Gaseinschlüsse etwas über die frühere Marsatmosphäre erzählen können, und Hinweise auf eine wasserreiche Vergangenheit bieten.

Für eine bemannte Marsmission kommen allerdings noch einige wesentliche Punkte auf der Wunschliste dazu: Die Astronauten müssen Zugang zu Wasser aus hydratisierten Mineralien oder Eis haben, sowie über eine ausreichend große Fläche ebenen Terrains für die Errichtung eines Habitats verfügen können. Ideal wäre darüber hinaus ein Zugang zu wichtigen Rohmaterialien wie Eisen oder Aluminium.

Ehe man überhaupt an einem nur annähernd geeigneten Ort auf dem Mars landen kann, gilt es, einige insbesondere technische Hürden zu überwinden. Eine am 29. Oktober veröffentlichte Einschätzung kommt zu dem Schluss, dass die Nasa heute noch nicht so weit ist. Die Unklarheit darüber, wie das Raumschiff, das Astronauten zum Mars bringen sollte, konkret aufgebaut sein sollte, sei demnach nur ein Teil des Problems.

Interplanetare Reise mit Hindernissen

Der vom Office of Inspector General herausgegebene Report kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass der derzeitige Nasa-Plan zur Risiko-Minimierung eines solchen Fluges ziemlich optimistisch ist. Verlässliche Maßnahmen gegen die Gefahren einer interplanetaren Reise stünden der Nasa demnach in frühestens 15 Jahren zur Verfügung.

Einige halten den Workshop daher für eine PR-Maßnahme, die zeigen soll, dass die Nasa immer noch an dem Projekt arbeitet. Andere Forscher sehen in der Suche nach einer geeigneten Landezone tatsächlich einen Fortschritt. John Logsdon, Nasa-Experte für Raumfahrtmissionen, rät daher, Gas zu geben: "Die vielen Entscheidungen, die in 20 Jahren einen Menschen auf den Mars bringen sollen, müssen bald getroffen werden." Nicht zuletzt auch deshalb, weil die dafür nötigen Instrumente, etwa der Mars Reconnaissance Orbiter mit seiner hochauflösenden Kamera HiRISE, allmählich etwas in die Jahre kommen.

Dass die Nasa tatsächlich auf eine bemannte Marslandung hinarbeitet, lässt nach Ansicht von Logsdon nicht zuletzt die jüngste Öffentlichkeitsarbeit der Organisation vermuten: Die aktuellen PR-Kampagnen, etwa die verkündete Entdeckungen von flüssigem Wasser auf dem Mars, würden dafür sprechen, dass die US-Raumfahrtbehörde alles daran setzt, die Finanzierung der geplanten bemannten Marsmission zu sichern. (tberg, 4.11.2015)

  • Im überaus erfolgreichen Roman "The Martian" landete die "Ares 3"-Mission von Mark Watney in dieser Region in der Acidalia Planitia. Wo in frühestens zwei Jahrzehnten tatsächlich Menschen den Mars betreten werden, ist dagegen noch weitgehend offen.
    foto: reuters/nasa/jpl-caltech

    Im überaus erfolgreichen Roman "The Martian" landete die "Ares 3"-Mission von Mark Watney in dieser Region in der Acidalia Planitia. Wo in frühestens zwei Jahrzehnten tatsächlich Menschen den Mars betreten werden, ist dagegen noch weitgehend offen.

Share if you care.