Auch Arbeiterkammer nur 12,5 Prozent Frauen in Führungsteams

4. November 2015, 14:15
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Auch abseits von Oberösterreich: Politik und Verbände sind Männerdomänen – Frauenring fordert Transparenz und gesetzliche Regelung

Angesichts der Angelobung einer Regierung in Oberösterreich ohne ein einzige Frau hat der Österreichische Frauenring die aktuellen Geschlechterverhältnisse in Bundes- und Landespolitik und dem Verbändesystem analysiert. Das Ergebnis: Auf allen Ebenen, für die Daten vorliegen, sind Frauen deutlich unterrepräsentiert.

Im Nationalrat sind 2015 nur rund 30 Prozent Frauen vertreten (56 von 183 Abgeordneten), im Bundesrat sind es 28 Prozent (17 von 61). Während der Frauenanteil in der Bundesregierung 2008 noch bei 40 Prozent lag, sind es aktuell nur 29 Prozent.

Auch in den Landtagen sieht es nicht besser aus, heißt es in der Aussendung des Frauenrings: Während die Steiermark mit einem Frauenanteil von 40 Prozent an der Spitze steht, bilden das Burgenland mit 22 Prozent sowie Kärnten und Niederösterreich mit 23 Prozent die Schlusslichter. In acht Bundesländern gibt es keine statistischen Daten zum Geschlechterverhältnis – einzig der Wiener Landtag führt dieses auf seiner Website an.

Arbeiterkammer: Nur 12,5 Prozent Frauen

Auf der Ebene der GemeinderätInnen liegen nur in sechs Bundesländern Zahlen zum Geschlechterverhältnis vor. "Darin zeigt sich das fehlende Problembewusstsein zur Unterrepräsentation von Frauen in politischen Ämtern", sagt Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings. Es brauche dringend öffentlich zugängliche Daten für alle Ebenen. Auch Landtage, Gemeinderäte, Verbände und gesetzliche Interessenvertretungen müssten wie das Parlament ihre Zahlen zum Anteil von Männern und Frauen in den Gremien öffentlich machen.

Auch Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer sind weit von einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis in ihren Führungsteams entfernt: In der AK sind nur 12,5 Prozent Frauen vertreten, das Präsidium der Wirtschaftskammer weist einen etwas höheren Frauenanteil von 33 Prozent auf. Die Industriellenvereinigung hat hingegen eine ausschließlich männliche Führungsriege, der Vorstand des Österreichischen Gewerkschaftsbunds setzt sich aus 15 Männern und acht Frauen (35 Prozent) zusammen.

Sinkender Frauenanteil

"Dass angesichts dieser Männerdominanz Qualifikation als Argument gegen Geschlechterquoten verwendet wird, mutet seltsam an. Qualifikation ist keine Männersache", kritisiert Ablinger die laut Frauenring häufig vorgeschobene Debatte, wenn es um den Männerüberhang in Gremien geht.

"In einigen Institutionen ist der Frauenanteil in den vergangenen Jahren sogar gesunken. Darin widerspiegelt sich auch das schwindende Interesse an Geschlechtergerechtigkeit", so Ablinger. Parteien und Verbände müssten verbindliche Regeln schaffen, damit Frauen nicht länger aus politischen Funktionen ausgeschlossen bleiben. "Die Welt besteht zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern. Es ist Zeit, dass diese Realität auch in die österreichische Politik Einzug hält." (red, 4.11.2015)

  • Ein niedriger oder erst gar nicht vorhandener Frauenanteil findet sich nicht nur in der oberösterreichischen Landesregierung.
    foto: apa/barbara gindl

    Ein niedriger oder erst gar nicht vorhandener Frauenanteil findet sich nicht nur in der oberösterreichischen Landesregierung.

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