Was Donald Trump gegen das "verkrüppelte Amerika" tun will

4. November 2015, 10:57
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In seinem neuen Buch rechnet der republikanische Präsidentschaftsbewerber wieder einmal mit der derzeitigen US-Politik ab

Donald Trump ist einfach großartig. Er ist reich. Sehr reich. Er ist richtig gut darin, viel, viel Geld zu verdienen. Die Menschen lieben ihn. Politiker sind schrecklich. Illegale Einwanderer gehören abgeschoben. Extremisten müssen besiegt werden. Amerika muss wieder zu wahrer Größe finden.

Und überhaupt. Wer all das über den großspurigen US-Präsidentschaftsbewerber noch nicht wusste, kann es jetzt auf 193 Seiten in seinem neuen Buch nachlesen. "Crippled America" heißt das aktuelle Werk des milliardenschweren Immobilienmoguls, in dem er das Bild eines gelähmten, am Krückstock gehenden Landes heraufbeschwört. Wie auf vielen Buchdeckeln seiner bisherigen 15 Titel blickt er dem Leser finster entschlossen, fast wütend ins Auge.

foto: afp photo/kena betancur

Das 193-Seiten starke Werk steckt voller Beschwerden: Das US-Bildungssystem liege in Trümmern. Illegale Einwanderer bekämen Jobs, doch mehr als 20 Prozent der Amerikaner seien arbeitslos (die Quote liegt offiziell bei 5,1 Prozent). Die Einwanderungspolitik sei eine "Einladung" an die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Drohungen der USA verliefen im Sande. "Wenn ich meine Geschäfte auf diese Art führen würde, würde ich mich selbst feuern", schreibt Trump.

Die Infrastruktur der USA zerfalle in Stücke. Flughäfen, Brücken, Eisenbahn- und Elektrizitätsnetze – überall Chaos. Stunden warteten die Menschen täglich im Stau oder auf Züge, statt die Produktivität der weltgrößten Volkswirtschaft zu steigern, schreibt Trump. Das Internet sei zu langsam. "Die Chinesen bauen da drüben neue Städte in etwa zwölf Minuten, während wir Jahre brauchen, um ein Dachfenster in unserem eigenen Zuhause genehmigen zu lassen."

foto: ap photo/richard drew

Wer könnte Amerika aus diesem Chaos befreien? Donald Trump natürlich. Unter anderem mit Zitaten von Box-Champion Mike Tyson verspricht er, eine Regierung voller Schwächlinge abzulösen. Das goldene Händchen für Milliardendeals soll zur Faust auf dem Schreibtisch im Oval Office werden. Lahme Wirtschaft, Energiemarkt, Steuern – kein Problem ist zu groß für Donald Trump.

Nebenbei legt er offen, dass sein Einkommen dieses Jahr mehr als 600 Millionen Dollar (548 Millionen Euro) betragen wird und dass sein Kapital von 8,74 Milliarden Dollar (acht Milliarden Euro) stetig wachse. 14 Seiten umfasst im Übrigen der Abschnitt "Über den Autor". Er brüstet sich, der "reichste Präsidentschaftsbewerber aller Zeiten" zu sein, und schreibt: "Ich habe es allen gezeigt. ALLEN." Wer also wissen will – beziehungsweise noch nicht weiß –, wie toll Donald Trump ist, dem sei ein Blick in dieses Buch ans Herz gelegt. (APA, dpa, Johannes Schmitt-Tegge, 4.11.2015)

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