Zensur weiblicher Brustwarzen: Transsexuelle fordert Facebook heraus

4. November 2015, 08:53
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Courtney Demone experimentiert mit Genderfragen und will so die "Doppelmoral" des sozialen Netzwerks zeigen

Während Hasspostings und bluttriefende Videos oftmals ohne Konsequenzen bleiben, schrillen bei ersten Andeutungen von Erotik alle Alarmglocken: Nach diesem Prinzip scheint Facebook seine Nutzungsbedingungen auszulegen. Dafür ist das soziale Netzwerk – vor allem in Europa – schon des Öfteren heftig kritisiert worden. Die Transsexuelle Courtney Demone fordert den IT-Konzern nun heraus: Denn es sind nur weibliche Brüste, die zensiert werden. Männer dürfen auf Facebook und dem dazugehörigen Instagram ungeniert mit nacktem Oberkörper stolzieren.

"Habe ich jetzt Brüste?"

Da sich Demone nun in der Übergangsphase zwischen den Geschlechtern befindet (geht man von einem binären männlich/weiblich-System aus), kann sie optisch leicht mit Facebooks Politik experimentieren. Sie hat die Kampagne "Do I Have Boobs now?" (Habe ich jetzt Brüste?) gestartet, bei der sie zwischen Mann und Frau wechselt. Damit will sie die durch Facebooks Vorgehensweise illustrierte "Sexualisierung des weiblichen Körpers" aufdecken. Die Aktion ist eine Fortführung von #FreeTheNipple, bei der zahlreiche Nutzerinnen Gleichberechtigung auf Facebook und Instagram gefordert hatten.

Pseudo-fortschrittlich?

Demone bezeichnet Facebook in einem Artikel auf "Mashable" als pseudo-liberal und pseudo-fortschrittlich. Denn Facebook ginge kein Risiko ein, um die Gesellschaftsmehrheit zu verprellen. So konnten Nutzer erst per Regenbogen-Profilbild ihre Unterstützung für die Homo-Ehe zeigen, nachdem das US-Höchstgericht deren landesweite Einführung forderte. Auch die Möglichkeit, aus zahlreichen Geschlechtsbezeichnungen auszuwählen, sei ein Alibi. Gleichberechtigung zeige sich vielmehr im Umgang mit dem weiblichen Nippel, so Demone.

Facebook zögerlich

"An welchem Punkt der körperlichen Entwicklung unserer Brüste werden Facebook und Instagram entscheiden, dass wir nun (weibliche) Brüste haben?", fragt Ivy-Quinn Culllen im "Guardian". Cullen unterstützt die Aktion: "Nippel sind Nippel, nicht 'männlich' oder 'weiblich'." Facebook selbst ist das Thema offensichtlich unangenehm. Nach mehreren Anfragen rang sich der Konzern gegenüber dem "Guardian" dazu durch, ein Statement auszuschicken.

"Wir unterstützen den Umwandlungsprozess (von Transsexuellen) als persönliche Reise und geben unser Bestes, damit diese Menschen sich auf Facebook ausdrücken können", heißt es. Aber: "Die Community-Standards werden angewandt." Nach dem E-Mail-Wechsel wurden alle Instagram-Bilder der Transsexuellen von Facebook gelöscht. (red, 4.11.2015)

  • Courtney Demone spielt mit den Geschlechtern – und bringt Facebook in die Bredouille.
    foto: screenshot/fb/demone

    Courtney Demone spielt mit den Geschlechtern – und bringt Facebook in die Bredouille.

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