Das Packerl fährt Fahrrad–Eisenbahn–Fahrrad

4. November 2015, 09:00
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Das Schweizer Lastenrad-Liefernetzwerk Imagine Cargo hat in Österreich eine Niederlassung gegründet

Wien – Die Zahlen sind erst auf den zweiten Blick beeindruckend: Pro Fünf-Kilogramm-Expresspaket fallen in Europa zwölf Kilogramm CO2 an. Das klingt nach nicht besonders viel. Hält man sich aber vor Augen, dass täglich rund 4,5 Millionen solcher Packerln europaweit unterwegs sind, wird's durchaus dramatisch. Vor allem vor dem bekannten Hintergrund, dass Kohlendioxid ein maßgeblicher Mitverursacher des Klimawandels ist.

Wohlbekannt ist auch der Grund, der diese schlechte Ökobilanz verursacht: der Transport per Flugzeug, Lkw und Lieferwagen. Diese Tatsache hat Nick Blake im Jahr 2014 dazu bewogen, den Logistik-Dienstleister Imagine Cargo zu gründen. Ziel sei es, sagt Blake, die Emissionen bei der Paketzustellung durch die Kombination bestehender Transportnetzwerke zu senken.

So werden für die Abholung und Zustellung in den Städten Fahrradkuriere eingesetzt: In Sachen Schnelligkeit und Effizienz reicht den Fahrradkurieren in der Stadt keiner das Wasser. Zwischen den Städten werden die Sendungen per Eisenbahn transportiert: Denn der Zug wiederum ist im Überlandverkehr nicht zu schlagen, was die Nachhaltigkeit betrifft.

Hinzu kommen weitere Vorteile: Die Zustellung per Rad braucht weniger Platz, und es wird kein Lärm verursacht. Für den Zustelldienst stellt das junge Unternehmen keine eigenen Fahrradboten ein, sondern setzt auf das Know-how bestehender Kurierdienste.

Ursprünglich in der Schweiz (Zürich) beheimatet, hat Imagine Cargo Mitte Oktober auch den Sprung auf den österreichischen Markt gewagt. Der umweltfreundliche Logistik-Dienstleister agiert vom sogenannten Impact Hub Vienna aus und bietet sein nachhaltiges Service auf der Linie Graz–Wien–Linz–Salzburg an. In jeder Stadt hat man sich nach geeigneten lokalen Partnern umgesehen. In Wien heißt dieser Spinning Circle, in Graz Fuhrwerk Logistik, in Salzburg DieBoten.at, und in Linz hat man sich mit Green Pedals verpartnert. Innsbruck und Bregenz sollen bald folgen.

Nachhaltiger Transport

Wer also mit Imagine Cargo ein Paket von Wien nach Salzburg schicken möchte, sollte die Kollegen vor Ort kontaktieren und nach dem Service von Imagine Cargo fragen. Die holen es dann ab, bringen es zur Bahn, wo es dann vom jeweiligen anderen Fahrradbotendienst abgeholt und zugestellt wird. Der Preis soll sich dabei kaum von dem konventioneller Versanddienste unterscheiden.

Immer wieder taucht die Frage auf, ob die Fahrradboten auch schwere Lasten bewältigen können. Ja, lautet die Antwort der Radlogistiker: Bis zu 200 Kilogramm "Gepäck" können auf die eingesetzten Lastenfahrräder aufgeladen werden. Damit ist das Velo auch gegenüber dem Kleintransporter durchaus konkurrenzfähig. (Markus Böhm, 4.11.2015)

  • Ganze 99 Prozent weniger Kohlendioxid fallen bei der Zustellung eines Pakets mittels der Transportkombination Bike–Zug–Bike an, sagen die Gründer von Imagine Cargo.
    foto: imagine cargo

    Ganze 99 Prozent weniger Kohlendioxid fallen bei der Zustellung eines Pakets mittels der Transportkombination Bike–Zug–Bike an, sagen die Gründer von Imagine Cargo.

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