Paketzustellung: Global, regional, hochkonzentriert

4. November 2015, 13:42
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Übernahmen wie die von TNT Express durch Fedex verstärken Konzentration und Marktmacht auf Westeuropas Paketmarkt

Wien – Die kommenden Wochen sind die besten des Jahres. Postdienstleister, Paket- und Expresszusteller fahren in den Wochen vor Weihnachten deutlich mehr Umsatz ein als den drei vorangegangenen Quartalen. Der US-Paketdienst Fedex erwartet so viele Paketsendungen wie noch nie. Angetrieben von boomenden Online-Bestellungen, rechnet Fedex in den vier Wochen bis Heiligabend mit 317 Millionen Lieferungen, einem Plus von 12,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für den Handel ist die stillste Zeit des Jahres die umsatzstärkste. Eingeläutet wird sie vom Black Friday, dem Tag nach Thanksgiving, an dem die Geschäfte in den USA mit Sonderangeboten locken. Am darauffolgenden Cyber Monday bieten viele Händler Sonderangebote online an, auch in Europa, wo der Online-Händler Amazon die US-Tradition etabliert hat.

Konzentration steigt

Ein gutes Weihnachtsgeschäft tut not bei Fedex. Dem Konzern machen der starke Dollar, höher als erwartet ausfallende Kosten und ein schwächelndes internationales Frachtgeschäft zu schaffen, im vierten Quartal (31. Mai) stagnierte der Gewinn auf umgerechnet 753 Millionen Euro. Jetzt ist die Übernahme des niederländischen Logistikers TNT um 4,4 Milliarden Dollar zu stemmen, grünes Licht der EU-Kommission für den Deal liegt laut Fedex bereits vor.

Mit dem Milliardendeal rückt die globale Logistikbranche weiter zusammen, die Konzentration steigt, die Margen sinken. Der Konzern aus Memphis lässt sich damit auf ein Manöver ein, das sein amerikanischer Wettbewerber UPS vor zwei Jahren wegen kartellrechtlicher Bedenken wieder aufgeben musste.

Nun bekommt es Europas Platzhirsch, Deutsche Post DHL, mit stärkerer US-Konkurrenz zu tun: Im Expressgeschäft ist DHL mit 41 Prozent klar Marktführer, gefolgt von UPS mit 25 Prozent. TNT und Fedex liegen bei zwölf und zehn Prozent. Bis Fedex/TNT zu einem "starken globalen Wettbewerber" zusammenwachsen, der die "komplementären Stärken" beider Unternehmen wie gewünscht vereint, wird es wohl noch eine Weile dauern, Zeit zum Ausruhen gibt es aber insbesondere in Westeuropa nicht. Denn auf lokalen Märkten tobt bereits ein intensiver Wettbewerb.

Beliebte "Paketsenke"

In der "Paketsenke" Österreich, wie Post-Chef Georg Pölzl das heißumkämpfte Bundesgebiet im Herzen Europas einmal nannte, sind bereits alle Branchengrößen aktiv und teilweise seit Jahrzehnten etabliert. Insgesamt 20 Unternehmen verfügen über sogenannte Universaldienstkonzessionen der Postmarktregulierungsbehörde RTR, darunter DPD Direct Parcel Distribution, Fedex, GLS General Logistics Systems, TNT und United Parcel Service (UPS) und die Deutsche Post. Sie ist gleich mit zwei Ablegern präsent: dem global tätigen und auf Firmenkunden spezialisierten Expresszustelldienst DHL Express und seit Sepember mit dem Paketdienst DHL Paket Austria. Letzterer macht dem teilstaatlichen Platzhirsch Österreichische Post AG beim gemeinen Privatkundenpaket Konkurrenz.

Aber bei weitem nicht alle konzessionierten Anbieter sind in allen Segmenten aktiv. Es finden sich auch Exoten auf der vom Postregulator veröffentlichten Liste. Allgäu Mail GmbH mit Sitz in Kempten etwa ist ein Ableger der Allgäuer Zeitung, der in Deutschland mit roten Postkästen um Briefsendungen wirbt. Der österreichische Markt ist den Schwaben auf ihrer Homepage zwar noch keine Erwähnung wert, einen Firmenbucheintrag sucht man ebenfalls vergebens, aber das kann noch werden, der Weg nach Tirol ist nicht weit.

Hauptsächlich Versandhändler adressiert Asendia Austria in Biedermannsdorf südlich von Wien. Asendia ist ein Kooperationsableger der schweizerischen Post und der französischen La Poste und betreibt Niederlassungen in 15 Ländern. Frankreich zähle zu den größten E-Commerce-Märkten in Europa, wirbt Asendia mit Dienstleistungen wie Direct-Mailings für Versandhändler um Firmenkunden. Mit ihrem Faible für europäische Marken und Qualitätsprodukte seien französische Verbraucher eine ideale Zielgruppe, 34 Millionen Franzosen seien bereits aktive Onlinekäufer. Da sich internationale Versandhändler gegen rund 140.000 nationale Onlineshops durchsetzen müssten, sei "der richtige Ansatz für den Markteintritt entscheidend", heißt es.

Regional spezialisiert

Eine Universaldienstlizenz für Postdienste beantragt hat auch die Russ Media Service in Schwarzach in Vorarlberg. Das Medienhaus (Vorarlberger Nachrichten) verfügt im Ländle über tausende Privat- und Firmenkundenadressen samt Zustellservice und somit über Infrastruktur und Potenzial für die Ausweitung auf Post-Dienstleistungen.

Vorarlberg ist auch der Schwerpunkt der RS-Zustellservice Rudolf Sommer in Hohenems. Sie verfügt über eine Universaldienstkonzession und eine Konzession für die gewerbsmäßige Beförderung von Briefsendungen bis 50 Gramm. Letztere umfasst die Versorgungsgebiete Götzis, Mäder, Koblach, Altach und Hohenems.

Regional und damit überschaubar im Großraum Tulln aufgestellt ist Stamp Service in Wilfersdorf in Niederösterreich. Mit im Verbund mit Stamp Service ist die Noebote GmbH, die Eigentümern rund um den ehemaligen Post-Mitarbeiter Martin Füll gehört. Noebote ist in vier Geschäftsfeldern tätig: Noebote Einkaufsservice organisiert Einkaufsfahrten für Privatkunden im Versorgungsgebiet, Noebote Postzustellung ist der Postdienst für adressierte und unadressierte Sendungen für Firmenkunden (regional und österreichweit in Zusammenarbeit mit der Schwesterfirma Portomanagement). Der Dritte und Vierte im Bunde sind Noebote Boten- und Zustelldienst (Warentransporte für Privat- und Firmenkunden) und Einkaufsbote (Erstellung und Verteilung unadressierter Werbemedien.

Auf das östliche Niederösterreich spezialisiert hat sich Klaus Hammer Botendienste, die von Gramatneusiedl aus operiert und als Versorgungsgebiete Moosbrunn, Reisenberg, Ebergassing, Himberg, Mitterndorf an der Fischa, Unterwaltersdorf und Ebreichsdorf anführt.

Global und flächendeckend hingegen ist General Logistics System Austria (GLS) mit Sitz in Ansfelden in Oberösterreich tätig. Als zweitgrößten Paket- und Expressdienstleister in Österreich bezeichnet sich die auf Business-to-Business fokussierte GLS und liefert sich damit ein hartes Match mit DHL-Express, gelber Post und deren früherem Kurier-Express-Paket-Partner DPD. Unter der Marke DPD fahren die Speditionen Gebrüder Weiss, Schachinger, Lagermax. Ein Viertel hält die Geopost International Management & Development Holding GmbH. (Luise Ungerboeck, 4.11.2015)

  • Hochzeit für Kurier-, Express- und Paketzusteller: Vor Weihnachten macht die Branche das große Geschäft.
    foto: apa / dpa / bodo marks

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