Dicht bleiben: Haarausfall kann viele Ursachen haben

4. Jänner 2016, 08:47
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Mit dem Leidensdruck steigt das Bedürfnis, etwas dagegen zu tun

Zu den Jahreszeitenwechseln befällt viele beim Anblick ihrer Haarbürste Angst: Wenn dort nach dem Frisieren zu viele Haare hängen bleiben, lässt sich das höchstens eine Woche ignorieren. Eine Zeitlang hilft der Gedanke an Hunde und Katzen, die ja auch regelmäßig ihr Sommer- und Winterfell wechseln. Blöd ist, wenn das eigene Haaren nicht aufhört. Da steigt die Sorge. Dann liest man erst einmal im Internet nach: Zirka 150.000 Haare hat ein durchschnittlicher Europäer, 226 pro Quadratzentimeter. Recht abstraktes Wissen.

Auch was Wachstumszyklen sind und vor allem warum sie plötzlich gestört sein sollen, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Konkret hingegen ist die Zahl 100: Wenn einem mehr als 100 Haare pro Tag und das über mehrere Wochen ausfallen, ist das auch medizinisch betrachtet pathologisch. Wer also anfängt, Haare zu zählen, hat wahrscheinlich tatsächlich ein Problem.

"Haarausfall kann viele Ursachen haben", sagt die Wiener Hautärztin Jolanta Schmidt. Da sind zum einen die Gene, es können aber auch Hormonschwankungen an einem Haarausfall schuld sein. Haare und Testosteron: Da gibt es einen Zusammenhang, der Männer und Frauen zu gleichen Teilen treffen kann.

Hilfe für Selbsthilfe

Doch dann gibt es auch noch eine ganze Reihe anderer Gründe, die als Gerüchte kursieren, etwa dass Stress eine Ursache für Haarausfall sein kann. Oder Übersäuerung, und das wiederum sei ernährungsbedingt. Spätestens aber, wenn der Wind plötzlich viel kälter als sonst durch die Haare streift, ist Panik die Reaktion.

Effluvium nennen Dermatologen das unangenehme Phänomen des schütter werdenden Haupthaars. "Wir verschreiben Patienten und Patientinnen meist Tinkturen mit dem Wirkstoff Minoxidil, die täglich aufgetragen werden sollten", sagt Hautärztin Schmidt. Geduld ist aber Bestandteil jeder Therapie, und bei vielen wird diese Charaktereigenschaft von Bürstenstrich zu Bürstenstrich weniger. Die Folge: Ausprobieren, was die Haarprodukte-Industrie so alles im Köcher hat.

In den Labors von La Biosthétique zum Beispiel wurde fünf Jahre lang geforscht, bis man ein Mittel fand, das sich in klinischen Doppelblindstudien bewährte: ein Polyphenol aus Lärchenholz in Kombination mit Niacinamid und Zink bringt 28.000 mehr Haare in drei Monaten. Ein Plus von 17 Prozent.

Reaktivieren, bremsen, stärken

Im L'Oréal-Konzern wiederum wird Haarausfall in drei Bereiche eingeteilt: Es gibt Produkte, die "schlafende Haarfollikel" aktivieren (Vichy Dercos Neogenic, L'Oréal Professionel Serioxyl, Kérastase Densifique), damit diese wieder Haare produzieren.

Dann gibt es Wässerchen, die Haarausfall bremsen (Vichy Dercos Aminexil, L'Oréal Professionel Aminexil) und – das ist die dritte Kategorie – eine breite Palette von Shampoos und Conditionern und Masken, die die Haarfasern stärken (L'Oréal Paris Elvital Fibralogy, Redken Cerafill).

Wer weniger an die Industrie und mehr an die Natur glaubt (schließlich gibt es Haarausfall schon so lange es die Menschheit gibt), sieht sich in der traditionellen Medizin um. Ob Pferdeshampoos tatsächlich helfen (ein russisches Hausmittel) darf angezweifelt werden. Traditionellerweise haben sich aber Brennnesseln, Ginseng und Koffein bei Haarausfall bewährt. Es gibt Studien, die Silizium und Zink eine Wirkung attestieren. Silizium kann man in Hirse, Gerste oder Schachtelhalmtee zu sich nehmen.

Das Gute an den vielen Tipps: Sie auszuprobieren lenkt ab, und man muss der Ausdünnung nicht tatenlos zuschauen. Nicht selten hört Haarausfall nämlich nach einer Zeit ganz von selbst wieder auf – wenn es am Kopf wieder dichter wird, ist es ein reines Glücksgefühl. (Karin Pollack, RONDO, 4.1.2015)

Kerastase macht den Wunsch zum Namen einer Haarpflegeserie: Densifique besteht aus Serum, Maske, Shampoo, Kur und Konzentrat. Mehr geht nicht. (65 Euro)

foto: hersteller

Rausch setzt gegen Haarausfall Kettenwurzelextrakte in der Haartinktur ein. In Shampoo und Spülung wirken zusätzlich Koffein, Ginseng und Brennnesseln. (22,50 Euro)

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Vichy schickt den Wirkstoff Stemoxidine ins Rennen, um mit Dercos Aminexil Haarfolikel zu aktivieren. Gibt es in einer Männer- und einer Frauenvariante. (104,16 Euro)

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Aveda geht es mit einem ayurvedischen Konzept an: im Scalp Revitalizer aus der Inviati-Serie wirken Kurkuma und Ginseng, Shampoo und Conditioner gibt es extra. (69 Euro)

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La Biostetique bietet mit Therapie Anti-Chute eine Langzeitlösung an. Ampullen für drei Monate und eine Tinktur dazu. Mit Extrakten aus Lärchenholz. (127,50 Euro)

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Wella hat sich Ideen aus der Haarpflege geholt: Mit Niacinamiden wird der Haarwuchs angeregt. Nioxin Diaboost wird einmassiert und bleibt im Haar. Nur beim Friseur. (46,80 Euro)

foto: hersteller
  • Wer Bürsten nach dem Bürsten bürsten muss, ...
    illustration: dennis eriksson

    Wer Bürsten nach dem Bürsten bürsten muss, ...

  • ... hat ein Problem: Effluvium, Haarausfall.
    foto: apa/gerten

    ... hat ein Problem: Effluvium, Haarausfall.

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