Österreichs Betriebe haben Aufholbedarf beim Klimaschutz

4. November 2015, 05:30
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Studie: Immer mehr Unternehmen sehen Maßnahmen zum Schutz des Klimas nicht mehr primär als Kostenposten, sondern als internen Effizienzhebel

Wien/London – In Sachen Klimaschutz zählen europäische Unternehmen weltweit zu den besten. Das zeigt einmal mehr der aktuelle Klimawandelbericht der gemeinnützigen Organisation CDP (Carbon Disclosure Project), der dem STANDARD vorliegt.

Aus der 108-seitigen Studie geht hervor, dass sich eine steigende Zahl von Betrieben auf den Übergang in eine CO2-arme Wirtschaft vorbereitet. Fast die Hälfte – 46 Prozent – der mit dem höchsten Gütesiegel für herausragende Klimaschutzleistungen ausgezeichneten Unternehmen haben ihren Sitz in Europa.

Österreich top-gereiht

Und noch eines zeigt sich: Österreich ist mit einigen großen Unternehmen, allen voran Raiffeisen International, OMV und Verbund, top-gereiht; im Bewusstsein, wie wichtig Klimaschutzmaßnahmen nicht zuletzt für das Unternehmen selbst sind, gibt es aber noch viel Potenzial nach oben.

So haben beispielsweise nur 41 Prozent der im Leitindex der Wiener Börse gelisteten Unternehmen den CDP-Fragebogen beantwortet. In der Schweiz lag die Rücklaufquote (nach Anzahl der Firmen) bei 45 Prozent, in Deutschland haben 93 Prozent der im Leitindex der Frankfurter Börse gelisteten Dax-Unternehmen den Fragenkatalog ausgefüllt. Die Rückmeldungen bei den 500 größten Unternehmen der Welt (Global 500) lagen bei 81 Prozent.

Investoren machen Druck

Die in London ansässige Non-Profit-Organisation CDP geht seit dem Jahr 2000 mit dem Fragebogen hausieren. Auftraggeber sind mehr als 800 Finanzinvestoren, die zusammen ein Anlagevermögen von 86.000 Milliarden Euro verwalten.

"Für immer mehr Investoren ist es ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Veranlagung, wie nachhaltig beziehungsweise klimafreundlich ein Unternehmen wirtschaftet. Deshalb findet das Ranking von CDP immer mehr Beachtung", sagte Eveline Steinberger-Kern, Gründerin und Geschäftsführerin von The Blue Minds Company. Das Unternehmen berät seit Herbst 2014 als offizieller Partner von CDP in Österreich Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit.

Teil der Unternehmensstrategie?

Drei Themenbereiche werden von CDP abgefragt: inwieweit Klimaschutz Teil der Unternehmensstrategie ist, die Einschätzung von Risiken und Chancen durch den Klimawandel sowie Themen, die den Energieverbrauch und damit einhergehende Treibhausgasemissionen betreffen.

Zu den Besten der Besten darf sich heuer Raiffeisen International zählen. Das Bankhaus spielt in einer Liga mit Unternehmen wie BMW, Eon, Nestlé oder Siemens mit. Ebenfalls weit vorn gelistet sind OMV, Verbund und – mit leichten Abstrichen – Österreichische Post, Telekom Austria sowie Amag. Spanien und Großbritannien stellen mit jeweils zehn und neun die meisten Unternehmen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt bei der deutlichen Mehrheit der Unternehmen die Verantwortlichkeit für das Thema Klimawandel beim Vorstand. Allerdings unterlegt nur jedes fünfte Unternehmen dies auch mit monetären Anreizen für die Vorstandsmitglieder. (Günther Strobl, 4.11.2015)

  • Mit einer "Eisaktion" wollte der World Wide Fund for Nature am Dienstag in Wien die Regierung  an den Klimaschutz erinnern. Bei vielen Unternehmen ist das Thema mittlerweile schon angekommen.
    foto: apa / georg hochmuth

    Mit einer "Eisaktion" wollte der World Wide Fund for Nature am Dienstag in Wien die Regierung an den Klimaschutz erinnern. Bei vielen Unternehmen ist das Thema mittlerweile schon angekommen.

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