Das nötige Spielgeld für das Netz der Zukunft

5. November 2015, 18:46
2 Postings

Die US-Industrie interessiert sich verstärkt für Quantenphysik – auch für ein neues Konzept aus Innsbruck

Wien – Es ist gar nicht so lange her, dass die industrielle Fertigung eines Quantencomputers als Träumerei bezeichnet werden musste. "Vor zehn Jahren war an Anwendungen noch gar nicht zu denken", präzisiert Peter Zoller, der an der Uni Innsbruck gemeinsam mit Ignacio Cirac bahnbrechende Arbeiten zur Theorie der Quanteninformatik verfasste.

Heute sind die Prognosen deutlich optimistischer – vor allem, weil sich in der Grundlagenforschung weltweit viel getan hat: Es gibt mittlerweile Konzepte von Wissenschaftern für Quanteninformationsnetzwerke (zum Beispiel in Innsbruck), eine Art Internet der Zukunft. Ionenfallen als mögliche Bestandteile künftiger Quantencomputer funktionieren schon seit mehreren Jahren bestens. Nicht ohne Grund haben sich binnen kurzem mehrere US-Unternehmen wie Google, Microsoft, Intel oder IBM dazu bekannt, große Geldsummen in die Quanteninformatik investieren zu wollen. Dabei steigen sie nicht nur mit dem Gedanken an eine konkrete Anwendung in das Thema ein, sie bauen sich parallel auch das Know-how für die Zukunft auf, sagt Zoller im Gespräch mit dem STANDARD. "Die haben genug Spielgeld, um sich das nötige Wissen anzueignen, Quanteninformation verstehen und die Fortschritte auch irgendwann einmal in Technologien umsetzen zu können."

Zoller gefällt die Herangehensweise, die sich vom europäischen, wohldurchdachten Stil deutlich unterscheidet. In den USA habe man nicht nur den finanziellen Hintergrund, sondern auch den Mut, um einen riskanten Schritt in die richtige Richtung zu wagen. Der Physiker hat dafür ein passendes Bild parat: "Die Amerikaner gehen vielleicht mit kurzen Hosen auf den Montblanc, manche erfrieren, andere kommen aber erfolgreich wieder zurück."

In Europa sind die Unternehmen noch nicht so weit. Hier wird über die Installierung eines EU-Flagships zum Thema Quantenphysik gesprochen, einer Art europäischen Netzwerks, um gemeinsam mit Kollegen verschiedenster Universitäten und Forschungsinstitute weitere Durchbrüche zu schaffen. Zoller denkt, dass das Flagship umgesetzt wird und dass die Uni Innsbruck und das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) dabei eine wichtige Rolle spielen werden. Auch von Österreich erhofft sich Zoller eine aktivere Rolle bei der Umsetzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung in Quantentechnologien. So gibt es eine Initiative zum Aufbau eines Erwin-Schrödinger-Zentrums, das die gemeinsamen Bemühungen der Physik in Innsbruck und Wien weiter voranbringen soll.

Wie sehr US-Unternehmen nach neuen Ideen aus der Quantenphysik suchen, zeigt ein Beispiel aus Zollers eigener Gruppe. Zuletzt hat Wolfgang Lechner gemeinsam mit Philipp Hauke und Zoller ein Konzept für einen skalierbaren Quantencomputer vorgeschlagen und ein Patent dafür angemeldet.

Kurz nach einem Vortrag von Lechner meldete sich ein US-Unternehmen, weshalb der Wissenschafter daraufhin in die USA fuhr, um die Idee vorzustellen. Welche Firma das ist, will Zoller derzeit noch nicht verraten. (pi, 5.11.2015)

  • Peter Zoller lobt den riskanten Weg der US-Firmen.
    foto: apa

    Peter Zoller lobt den riskanten Weg der US-Firmen.

Share if you care.