Leoben: Drei Betreuerinnen aus Kinderkrippe angeklagt

3. November 2015, 15:33
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Angeklagte sollen Ein- bis Dreijährige zum Essen und Trinken gezwungen haben, sie fühlen sich unschuldig

Leoben – Drei ehemalige Betreuerinnen einer obersteirischen Kinderkrippe sind am Dienstag in Leoben vor Gericht gestanden. Den Frauen wurde vorgeworfen, die Kinder zum Essen und Trinken gezwungen zu haben und einen Buben in einem Kinderwagen zu fest angebunden zu haben. Alle drei fühlten sich nicht schuldig. Die Anklage gründet auf den Angaben einer Praktikantin, die eine Woche in der Einrichtung war.

Beschuldigt wurden die Leiterin der Gruppe, ihre Kollegin und eine Helferin. Die Frauen im Alter von 42 bis 47 Jahren betreuten die Kinder halbtags, mittlerweile sind sie suspendiert, gekündigt oder haben von sich aus aufgehört. Die Vorfälle sollen sich hauptsächlich bei der Jause ereignet haben, wenn die Ein- bis Dreijährigen nicht essen oder trinken wollten. "Es herrschte nicht gerade ein liebevoller Umgang mit den Kindern", beschrieb es Staatsanwältin Yvonne Huber.

Staatsanwältin: Kindern wurde Wasser gewaltsam eingeflößt

Sie schilderte, dass es eine "Trinkregel" gab, der zufolge die Kleinen vor dem Essen Wasser trinken mussten. Wer nicht wollte, wurde angeblich durch gewaltsames Ansetzen des Bechers und Zurückbiegen des Kopfes dazu gezwungen. Mit dem Essen soll es ähnlich gelaufen sein, auch hier mussten die Kinder laut Anklage Dinge schlucken, die sie nicht mochten. Als ein Kind andere biss und schlug, wurde es in einen Kinderwagen gesetzt und so festgebunden, dass es sich nicht mehr bewegen konnte, schilderte die Anklägerin.

Leiterin wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Leiterin der Gruppe wehrte sich heftig gegen die Vorwürfe. Sie sei "aus allen Wolken gefallen, es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen", als sie von den Anschuldigungen gehört habe. Die Vorwürfe seien "völlig aus der Luft gegriffen", betonte ihr Anwalt. Auch ihre Kollegin wollte von den Anschuldigungen nichts wissen. "Ich frage mich wirklich, was wir heute hier tun", sagte deren Verteidiger. Die dritte Betreuerin ist nur als Unterlassungstäterin angeklagt, weil sie gegen die Taten der beiden anderen nicht interveniert habe.

Warum die Praktikantin, die eine Woche in der Kinderkrippe arbeitete, die Vorwürfe erhoben hatte, konnten die Beschuldigten nicht sagen. Im Gegenteil, sie habe einen positiven Eindruck von ihr gehabt, schilderte die Leiterin der Gruppe. Die Hauptzeugin wird erst gehört werden. Ein Urteil wurde für Mitte November erwartet. (APA, 3.11.2015)

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