Unerwartete Reise in den Süden: Kaiseradler schickt SMS vom Peloponnes

7. November 2015, 13:00
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Forschungsprojekt verfolgt Flugwege zweier besenderter Jungvögel

Wien – Zwei im Frühjahr im Nationalpark Donau-Auen geschlüpfte Kaiseradler zieht es offenbar in die Ferne. Die Vogelschutzorganisation BirdLife hat die Jungvögel mit Sendern ausgestattet und verfolgt nun ihre Flugwege. Während das eine Jungtier in Mitteleuropa bleibt und zwischen Bisterz in Tschechien und Bratislava umherkreist, hat sich der zweite Adler per SMS vom Peloponnes gemeldet; aktuell hält er auf Libyen zu.

"Dass Kaiseradler das Mittelmeer überfliegen können, ist zwar bekannt, es dürfte aber doch nur sehr selten vorkommen. Der Großteil der österreichischen Vögel überwintert in Mitteleuropa", berichtete Matthias Schmidt, Greifvogelexperte von BirdLife. In den vergangenen Wochen flog der Jungvogel über Ungarn, Kroatien, Bosnien, Montenegro und Albanien bis nach Griechenland, "und nach mehreren abgebrochenen Versuchen startete er am Montag Richtung Libyen". Mit dem Abflug vom Kap des mittleren Peloponnes-Fingers habe sich der junge Kaiseradler instinktiv einen der südlichsten Festlandpunkt Europas ausgesucht.

Mit Rucksack in den Süden

Die Adler haben seit der Besenderung am 25. Mai bereits Distanzen von mehr als 5.000 bzw. 3.000 Kilometer zurückgelegt. Die solarbetriebenen Instrumente wurden den Jungvögeln noch im Horst wie ein Rucksack angepasst. Aus Schutzgründen werden erst jetzt die Flugwege veröffentlicht. Auch zu klingenden Namen sind die Jungvögel noch nicht gekommen: Die Vogelschutzorganisation und der Nationalpark Donau-Auen rufen zur Namensfindung auf, derzeit firmieren die Kaiseradler nur als "Nationalpark Donau-Auen 1" und "Nationalpark Donau-Auen 2".

Das Forschungsprojekt soll helfen, ihr Verhalten langfristig zu beobachten und die Nutzung des Lebensraums besser zu verstehen. In den ersten drei bis vier Lebensjahren gelten Kaiseradler als stark gefährdet durch illegale Verfolgung oder auch durch Stromschlag an Strommasten. In freier Wildbahn können sie 25 Jahre und älter werden. Seit 1811 galt der Kaiseradler in Österreich als ausgestorben. 1999 führten Schutzmaßnahmen dazu, dass er hier wieder zu brüten begonnen hat. 2015 gab es 13 Brutpaare mit 21 Jungvögeln. (APA, red, 7.11.2015)


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Über Satellitentracking.eu können die Flugrouten von insgesamt drei Jungvögeln und der zweieinhalbjährigen Kaiseradlerdame Esperanza nachverfolgt werden

  • Kaiseradler überwintern normalerweise in Mitteleuropa. Ein im Nationalpark Donau-Auen geschlüpftes Tier zieht es aber offenbar in den Süden.
    foto: apa/franz kovacs

    Kaiseradler überwintern normalerweise in Mitteleuropa. Ein im Nationalpark Donau-Auen geschlüpftes Tier zieht es aber offenbar in den Süden.

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