Zwei Franzosen nach Einsatz des Medikaments "Ala Octa" erblindet

3. November 2015, 11:54
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Nach Spanien, melden sich nun auch Betroffene aus Frankreich

Paris – In Frankreich haben zwei Patienten nach dem Einsatz des deutschen Medikaments "Ala Octa" das Augenlicht verloren. Bei den beiden im Juli gemeldeten Fällen seien die Betroffenen auf einem Auge erblindet, erklärte die französische Arzneimittelbehörde ANSM. Ein direkter Zusammenhang mit dem Mittel des deutschen Herstellers Alamedics GmbH sei aber noch nicht bestätigt.

Am Samstag hatten die spanischen Behörden gemeldet, dass 13 Menschen nach Operationen unter Verwendung des Arzneimittels auf mindestens einem Auge erblindet seien. Das Produkt war im Juni in Spanien und später auch in Frankreich vom Markt genommen worden, nachdem es in den Verdacht geraten war, die Netzhaut zu schädigen.

In Frankreich wurde "Ala Octa" laut ANSM seit der Markteinführung nur 75 Mal verkauft. Alamedics-Geschäftsführer Christian Lingenfelder warnte Mitte Juli in einem Schreiben die Händler, dass der Verkauf des Produkts gestoppt sei.

Fehlersuche

Am Montag erklärte Alamedics aber, Tests unabhängiger Labore hätten bei den betroffenen Produktchargen keine Verunreinigen gefunden. Daher müsse nun in den Kliniken weiter nach Gründen für die Probleme gesucht werden. Die Firma verwies darauf, dass bei dem Einsatz sogenannter schwerer Flüssigkeiten bei Augenoperationen ein besonderer Fokus auf der Reinheit liege, doch auch die richtige Anwendung beachtet werden müsse. Möglicherweise habe es Fehler bei der Anwendung gegeben, teilte die Alamedics GmbH mit.

Laut der spanischen Medikamentenbehörde Aemps sind 41 Fälle bekannt, in denen Patienten nach dem Einsatz des Produkts Augenschäden erlitten. In 13 Fällen hätten die Patienten komplett die Sehkraft auf einem Auge verloren.

Österreich wahrscheinlich nicht betroffen

"Es liegen keine Berichte aus Österreich über Vorfälle vor. Das Mittel ist bei uns offiziell nicht verwendet worden und ist vermutlich auch tatsächlich nicht zum Einsatz gekommen", sagt Reinhard Berger vom Institut Überwachung der AGES Medizinmarktaufsicht. "Unsere Recherchen laufen aber, wir können es daher vorerst noch nicht ausschließen."

In Spanien sei das Produkt weitverbreitet gewesen, in Österreich hingegen habe es offenbar keinen Vertreiber gegeben, berichtet Berger. Bei dem Arzneimittel handelt es sich um eine Tamponade, eine Substanz, die während Linsen-Operationen wie etwa bei Grauem Star als Füllstoff verwendet wird, um das Volumen offen zu halten. (APA, AFP, 3.11.2015)

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