"Game Changer": 18-jähriges Model rechnet mit Instagram und Co ab

4. November 2015, 09:11
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Junge Australierin kehrt sozialen Medien den Rücken und kritisiert Perfektionssucht

Sie war als Mode- und Beauty-Bloggerin auf Youtube, Tumblr und Instagram aktiv. Bei der Fotocommunity folgen ihr über 700.000 andere Nutzer. Doch nach drei Jahren zog die 18-jährige Australierin Essena O‘Neill den Stecker ihrer Social Media-Karriere.

Seitdem macht sie sich für einen Wandel stark. Sie schildert die negativen Effekte, die ihr von sozialen Medien dominierter Tagesablauf auf sie hatte und will nun über das auf den Plattformen transportierte Trugbild aufklären und andere Menschen zum umdenken anregen, wie Mashable berichtet.

Die wahre Geschichte der perfekten Fotos

"Wisst ihr, wie gut es ist, nur einen Tag nicht daran zu denken, was andere machen?", fragt sie. "Mir ging es schlecht wegen Zahlen auf einem Bildschirm." Nun hat sie ihre Konten bei Snapchat und Tumblr entfernt. Auf Instagram unterlegte sie viele Bilder mit der "wahren Geschichte" ihrer Entstehung. Mittlerweile hat ihren Account dort auf "privat" umgestellt.

Bei einer Aufnahme von ihr selbst in einem Bikini am Strand schreibt sie, diese wäre nur entstanden, weil eine Textilfirma sie dafür bezahle, da sie nach aktuellen gesellschaftlichen Standards attraktiv sei. Zu einem Selfie schreibt sie ergänzend: "Ich habe Makeup aufgetragen, mein Haar gewellt, ein enges Kleid angezogen und großen, unbequemen Schmuck angelegt." Über 50 Aufnahmen machte sie, bis sie eine für gut genug für ihre Instagram-Follower hielt, nur um das Bild vorher noch mit mehreren Apps zu bearbeiten. "Es ist nichts echt [an diesem Bild]", so O‘Neill.

foto: essena o'neill
"Es ist nichts echt" – Essena O'Neill war eine aufstrebende Bloggerin und Instagram-Model. Nun ist sie fast vollständig aus Social Networks ausgestiegen.

Berichte vom Digital Detox

Auf ihrer neuen Seite "Let's be Game Changers" beschreibt sie nun, wie ihr die Absenz von sozialen Medien die Möglichkeit gab, mehr zu sehen, zu hören und mehr Zeit für persönliche Entfaltung zu nutzen. "Ich wurde immer kreativer, weniger gestresst, glücklicher und fühlte eine neue Art von Kraft in mir."

In Videos spricht sie nun über ihren eigenen Wandel und will andere dazu animieren, es ihr gleich zu tun und etwa für eine Woche auf soziale Netzwerke zu verzichten. Wenn man die ganze Zeit Fotos betrachtet, auf denen das scheinbar perfekte Leben anderer Menschen abgebildet ist, beginnt man damit, mehr Zeit darin zu investieren, um auch das eigene Leben nach außen perfekt aussehen zu lassen, argumentiert sie.

essena o'neill

Erfolgreicher Start

"Game Changers" soll als Plattform für "bewusstes Leben" stehen, sich gegen Abhängigkeit von Technologie und die Celebrity-Kultur wenden, aber auch vegane Ernährung, Umwelt, soziale Themen, Geschlechtergleichberechtigung, kontroverse Kunst und ähnliche Dinge behandeln.

Dort hat sich auch bereits eine rege Community gebildet, um sich im dazugehörigen Forum auszutauschen. Ob sich aus dem Projekt eine wahrnehmbare Aussteiger-Bewegung für Social Media-User entwickeln wird, bleibt freilich abzuwarten. (gpi, 04.11.2015)

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