UBS schwächelt und baut Konzernspitze um

3. November 2015, 11:22
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Eine Steuergutschrift hat der Schweizer Bank den höchsten Quartalsgewinn seit Jahren beschert, im operativen Geschäft kämpft die Bank mit Gegenwind

Zürich – Steuergutschriften haben der UBS im dritten Quartal 2015 den höchsten Gewinn seit mindestens 2013 beschert. Die größte Schweizer Bank verdreifachte den Überschuss auf 2,1 Mrd. Franken (1,9 Mrd. Euro), wie das Institut am Dienstag mitteilte. Analysten hatten mit 1,75 Mrd. Franken gerechnet. Aufgebläht wurde der Gewinn zudem durch die niedrigere Bewertung der eigenen Schulden.

Im operativen Geschäft kämpft das Geldhaus dagegen mit Gegenwind. Angesichts der rekordtiefen Zinsen und der schärferen regulatorischen Anforderungen nahm die UBS am Dienstag ihre Rendite-Ziele vorübergehend leicht zurück.

Die UBS baut ihre Konzernleitung um. Finanzchef Tom Naratil übernimmt per Anfang 2016 die Leitung des Amerika-Geschäfts, teilte UBS am Dienstag weiter mit. Sein Nachfolger wird Kirt Gardner, der gegenwärtig Finanzchef des Bereichs Wealth Management ist. Der bisherige Chef des Amerika-Geschäfts Robert McCann übernimmt die Rolle des Chairman UBS Americas und tritt per Ende Jahr von der Konzernleitung zurück. Zum neuen Group Chief Operating Officer (COO), dessen Funktion bisher ebenfalls bei Naratil lag, wurde Axel P. Lehmann ernannt. UBS erhält zudem einen neuen Risikochef und eine neue Chefin des Geschäft in der Region Asien-Pazifik.

Angesichts der rekordtiefen Zinsen und der schärferen regulatorischen Anforderungen nimmt die UBS aber die Ziele für die Eigenkapitalrendite und das Kosten-Ertrags-Verhältnis vorübergehend etwas zurück.

Steuergutschrift

Im Vorjahresquartal lag der Reingewinn bei 0,76 Mrd. Franken, im zweiten Quartal 2015 waren es 1,21 Mrd. Franken. Der Gewinnsprung kam nämlich auch wegen einer Steuergutschrift im Umfang von 1,3 Mrd. Franken zustande.

Ohne diesen Sondereffekt fällt das Ergebnis mäßig aus. So hat die Großbank mit einem Vorsteuergewinn von 788 Mio. Franken die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt, die im Durchschnitt von einem Gewinn von 844 Mio. Franken ausgegangen waren. Auf das Ergebnis gedrückt haben jedoch vor allem Sonderkosten.

Unter den Erwartungen geblieben ist dabei vor allem die internationale Vermögensverwaltung. Sie konnte mit einem Gewinn vor Steuern von 639 Mio. Franken nicht an das erfolgreiche Vorquartal anschließen. Besser als erwartet abgeschnitten haben dagegen das US-Vermögensverwaltungsgeschäft und die Investmentbank, die im üblicherweise schwachen dritten Quartal einen Vorsteuergewinn von 496 Mio. Franken erzielt hat.

Die Rückstellungen erhöht ihre Rückstellungen für Rechtsfälle um 592 Mio. Franken. Einer der wichtigsten offenen Fälle ist Frankreich. Die französischen Behörden haben 2014 gegen die UBS ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung eröffnet. Die UBS hat dafür bereits eine Kaution von 1,1 Mrd. Franken hinterlegen müssen. Ende September hat zudem die Schweizerische Wettbewerbskommission (Weko) bekannt gegeben, dass sie unter anderem gegen die UBS eine Untersuchung wegen möglicher Absprachen im Edelmetallhandel eingeleitet hat.

Per Ende September weist die UBS gemäß Quartalsbericht Rückstellungen von insgesamt 2,9 Mrd. Franken aus. Ende Juni beliefen sich die Rückstellungen noch auf 2,4 Mrd. Franken. (APA, 3.11.2015)

  • Die Schweizer UBS freut sich über einen Sondereffekt, ohne diesen sieht das Ergebnis mäßig aus.
    foto: reuters/wiegmann

    Die Schweizer UBS freut sich über einen Sondereffekt, ohne diesen sieht das Ergebnis mäßig aus.

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