Einer der ältesten Bäume Europas wechselt sein Geschlecht

3. November 2015, 10:50
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The Fortingall Yew in Schottland wird auf bis zu 3.000 Jahre geschätzt, bisher galt sie stets als männlich.

London – Botaniker in Großbritannien stehen vor einem Rätsel: Einer der ältesten lebenden Bäume Europas hat sich offenbar zu einer Geschlechtsumwandlung entschlossen. The Fortingall Yew ist auf den britischen Inseln eine Berühmtheit. Die Europäische Eibe (Taxus baccata) steht seit Menschengedenken in einem alten Kirchhof in der Grafschaft Perthshire in Schottlands Zentrum.

Genau lässt sich sich ihr Alter nicht festlegen, das dafür so wertvolle Kernholz ist schon lange verrottet. Forscher gehen heute – unter anderem aufgrund von Messungen aus dem 18. Jahrhundert – von 2.000 bis 3.000 Jahren aus. Damit war die Eibe vermutlich schon alt gewesen, als die Römer ins Land kamen.

Plötzlich Beeren

Seit Jahrhunderten gilt der Baum in allen Aufzeichnungen als männlich – umso überraschter war man daher, als die Eibe plötzlich Beeren mit Samen hervorbrachte. Offenbar hatte mindestens ein Teil des Baumes sein Geschlecht gewechselt. Max Coleman vom Royal Botanic Garden in Edinburgh hat vorerst keine stichhaltige Erklärung für das Phänomen: "Das ist ein wirklich seltenes Ereignis, sehr ungewöhnlich und vorerst noch nicht erklärbar."

Möglicherweise habe es eine Verschiebung im hormonellen Gleichgewicht gegeben, was schließlich zu dieser Geschlechtsumwandlung führte, meint der Botaniker. "Zu den Ursachen können auch Stress durch veränderte Umweltbedingungen zählen. Schlecht zu gehen scheint es der knorrigen Eibe allerdings nicht. Laut Coleman sieht der Baum recht gesund aus – allerdings soll die Jahrtausende alte Dame nun unter ständiger genauer Beobachtung stehen. (red, 3.11.2015)

  • Seit Jahrtausenden steht The Fortingall Yew im Herzen Schottlands.
    foto: paul hermans

    Seit Jahrtausenden steht The Fortingall Yew im Herzen Schottlands.

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