Lonely Planet: Wo man 2016 hinmuss

Ansichtssache4. November 2015, 05:30
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Der Reiseführer Lonely Planet hat die besten Reiseziele für das kommende Jahr veröffentlicht – hier das Ranking

foto: ap/charmaine noronha

Botswana

2016 begeht Botswana den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Was es da zu feiern gibt? Ganz schön viel. Etwa die längste durchgängige Mehrparteien-Demokratie des Kontinents, ein progressives Sozialwesen (Botswana war eines der ersten Länder, das 2002 kostenlos HIV-Medikamente an seine Bürger ausgab), geringe Korruption, eine gesunde, nachhaltige Tourismusindustrie, eine schnell wachsende Wirtschaft. Seit der Unabhängigkeit hat sich Botswana aus bitterer Armut zu einer der stabilsten und florierendsten Gesellschaften Afrikas entwickelt.

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foto: reuters/kimimasa mayama

Japan

Auch wenn Sie noch nie in Japan waren, wissen Sie, dass es das modernste Land der Welt ist. Die Städte sind futuristische Architekturwunder, durch die blitzschnelle Züge zischen und Türme aus Metall und Glas in Neonlicht getaucht sind. Auch die Landschaft wirkt wie aus einer anderen, mit Merkmalen aller Kontinente versehenen Welt, wo Alpengipfel bis ins Meer reichen. Und überall stößt man auf pittoreske Holztempel – als Erinnerung daran, dass unter dem beeindruckenden Perfektionismus tief verankerte Traditionen liegen.

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foto: reuters/ sam mircovich

USA

Yellowstone, die Badlands, Zion, Shenandoah … Namen, die an die imaginären Landschaften Tolkiens erinnern. Orte voller Trolle, Drachen und Zauberei. Die US-Nationalparks hätten tatsächlich sogar den alten J.R.R. noch zum Staunen gebracht: Geysire schießen ihre Fontänen Dutzende Meter hoch, gewaltige Canyons spalten den Horizont, Büffelherden grasen in atemberaubenden Tälern, und gigantische Baumstämme, so alt wie das römische Kolosseum, ragen in den Himmel. Hier findet man einige der spektakulärsten und unwirklichsten Landschaften der Erde, und die Tatsache, dass sie noch genauso aussehen wie in der Geburtsstunde dieser Land fressenden, autoverrückten Nation, ist schlicht ein Wunder. 2016 wird der National Park Service (NPS), der Amerikas 59 Nationalparks und Hunderte weiterer Naturschutzgebiete und Denkmäler verwaltet, 100 Jahre alt. Und wie jeder gute Gastgeber hat dieser Old-timer sich gleich drei Beine ausgerissen, um die Parks zum Jubiläum von ihrer besten Seite zu präsentieren.

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foto: apa/afp photo / the pew charitable trusts

Palau

Der pazifische Zwerg Palau, jahrhundertelang Spielball fremder Mächte, segelt inzwischen auf den unsicheren Gewässern der nationalen Unabhängigkeit, obwohl die USA immer noch Einfluss ausüben. 2014 wurde Präsident Remengesau dafür, dass er die ökonomische und ökologische Unabhängigkeit seines Landes gestärkt und die Gewässer zu 100 Prozent zu Naturschutzgebieten erklärt hat, von den Vereinten Nationen der Titel "Champion of the Earth" verliehen. Seine Botschaft lautet: "Die Umwelt ist unsere Wirtschaft. Unsere Wirtschaft ist die Umwelt."

Hinter einem 110 Kilometer breiten Barriereriff liegen 200 Atolle aus vulkanischen Gesteinen und Kalkstein – nur acht davon bewohnt –, die bedeckt sind von Mangroven und tropischen Wäldern und umgeben von Gewässern, in denen es nur so von tierischem Leben wimmelt. Konstante Temperaturen und Niederschläge, die dank ihrer Regelmäßigkeit gut einzuschätzen sind, machen Palau zum ganzjährigen Reiseziel, auch wenn es in der zweiten Jahreshälfte öfter Taifune gibt.

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Lettland

Wenn das kleine Land 25 Jahre Freiheit von sowjetischer Herrschaft feiert, kann man davon ausgehen, dass es ein wenig mehr ins Rampenlicht rückt – nach 20 Jahren Aufholjagd gegenüber vielen seiner europäischen Nachbarn. Lettland gilt als das postkommunistische Land, das seit dem Ende der Sowjetunion wirtschaftlich die meisten Fortschritte gemacht hat. Dazu hat man jahrhundertealte Traditionen wiederaufleben lassen, sodass diese Perle des Baltikums nun im neuen Glanz erstrahlt. Hunderte von Burgruinen und alten Herrenhäusern – von mittelalterlich bis Rokoko – verbergen sich in den dichten Pinienwäldern Lettlands. Viele davon wurden aufwendig saniert und zu Hotels oder Museen umfunktioniert. Man könnte eine ganze Woche damit verbringen, von einem Prachtbau zum anderen zu fahren.

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foto: ap/queensland tourism

Australien

Wenn Sie nicht gerade aus Neuseeland oder Papua Neuguinea kommen, ist Australien ganz schön weit weg. Ein Besuch bedeutet, sich für 24 Stunden in ein Flugzeug zu quetschen. Stunden, die aber gut investiert sind: 2016 werden für einige der wichtigsten australischen Naturgebiete die Weichen für die Zukunft gestellt. Außerdem ist der australische Dollar schwach und die Benzinpreise sinken: der perfekte Zeitpunkt für den großen Aussie-Roadtrip.

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foto: apa/peter kolb

Polen

Polen ist momentan eindeutig die Supernation in Europa. Es hat einer Rezession getrotzt, die die meisten Länder Europas in die Knie zwang, und die Besucherzahlen wachsen stetig. Skeptiker hatten prophezeit, dass es nach der Ausrichtung der Fußball-EM 2012 eher bergab gehen würde, doch stattdessen wird Breslau (Foto) 2016 Europäische Kulturhauptstadt, auch weniger bekannte Städte erstrahlen in neuem Glanz und der Tourismus auf den Spuren wilder Tiere liegt voll im Trend. 2016 wird das Sahnehäubchen sein – oder vielleicht eher der Klacks śmietana in der Rote-Rüben-Suppe.

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Uruguay

Eingequetscht zwischen den zwei südamerikanischen Riesen Brasilien und Argentinien kommt dieses kleine Land trotzdem ganz groß raus. Statt Masse bietet es Klasse in Form von Friedfertigkeit, Gastfreundlichkeit und jede Menge Charakter. Während seine zwei großspurigen Nachbarn von einer Krise in die nächste schlittern, gilt Uruguay als Garant für politische Stabilität, gute Staatsführung und Wohlstand. Die Uruguayer wirken zurück-haltend, sind aber stolz darauf, ohne gewaltsame Auseinandersetzungen eine der fortschrittlichsten Zivilgesellschaften des Kontinents aufgebaut zu haben.

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foto: reuters/bob strong

Grönland

Unsere Welt wird immer wärmer, bevölkerungsreicher und technisierter. Umso anziehender erscheint da ein Ort, der zu ca. 80 Prozent von Eis bedeckt ist, die weltweit niedrigste Bevölkerungsdichte aufweist und ein so löchriges Handynetz hat, dass viele Menschen Satellitentelefone benutzen. Hier können Sie den Glanz der Mitternachtssonne auf Gletschern bestaunen, zwischen auftauchenden Walen segeln, mit einem Hundeschlitten durch die Tundra fahren und beobachten, wie die Nordlichter über die Eisdecke tanzen.

Im März 2016 wird Grönland (das offiziell zu Dänemark gehört, aber weitgehend autonom ist) die Arctic Winter Games ausrichten, das größte Event dieser Art, das es je gab. Das Spektrum der Disziplinen reicht von Schneeschuhrennen bis hin zu einheimischen Sportarten wie Baumstammrammen (so was wie umgekehrtes Tauziehen mit Baumstämmen). Als Rahmenprogramm gibt es ein Kulturfestival mit Musik, Tanz und Essen. Wenn Sie jemals vorhatten, Grönland zu besuchen, dann jetzt. Zum Glück fliegt man von Kopenhagen in nur vier Stunden zum Hauptflughafen Kangerlussuaq, und nach Nuuk starten vom isländischen Reykjavik saisonale Flüge.

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foto: ap/nick perry

Fidschi

Nach den unsicheren Jahren, die 2006 auf den Putsch von Commodore "Frank" Bainimarama und die Verfassungskrise von 2009 folgten, ist Fidschi nun wieder ein friedlicher und lebenslustiger Staat. Ende 2014 ließ Bainimarama endlich die lange versprochenen Wahlen abhalten, die er auch prompt gewann. Als Premierminister sorgte er dafür, dass wieder eine gewisse konstitutionelle Normalität einkehrte (allerdings war er auch maßgeblich an der vorherigen Unruhe Schuld). 2016 wird der Nadi International Airport ausgebaut, was die Reise ins Paradies etwas einfacher machen sollte. Die nationale Fluggesellschaft Fiji Airways sorgt mit ihrem superfreundlichen Bordpersonal schon vor der Landung für gute Stimmung.

Der Inselstaat, der mit natürlicher Schönheit und einem Klima gesegnet ist, das Kleidung überflüssig erscheinen lässt, versprüht neuerdings so viel Vitalität und Zuversicht wie nie zuvor. Egal, ob Sie gern in der Hotelanlage abhängen, den Körper mit dem neuesten Extremsport traktieren oder klassischen Inselvergnügungen wie Tauchen, Segeln oder Angeln nachgehen möchten: 2016 ist das richtige Jahr, um das volle Fidschi-Programm zu genießen. (red)

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