Staatenlose: Ein Leben im Schatten für Millionen Kinder

3. November 2015, 17:09
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Die UN verlangen ein Ende der Diskriminierung staatenloser Jungen und Mädchen

Sie leben in "einem Schatten", sie fühlen sich wie "Straßenhunde". Das sind Aussagen von staatenlosen Kindern, die das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR gesammelt hat. Jetzt fordert es mehr Hilfe und ein Ende der Rechtlosigkeit für die Millionen staatenlosen Jungen und Mädchen: "Keines unserer Kinder darf staatenlos sein", sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, am Dienstag.

Staatenlose Kinder sind laut Guterres in vielen Ländern von der Gesundheitsversorgung und Schulbildung ausgeschlossen. Sie haben kaum Möglichkeiten, eine anständige Arbeitsstelle zu finden. Laut UNHCR werden jedes Jahr mindestens 70.000 Kinder geboren, die keine Staatsangehörigkeit besitzen.

Probleme schon bei Registrierung

Insgesamt sind etwa zehn Millionen Menschen weltweit staatenlos. Wie viele der jungen Flüchtlinge, die heuer Europa erreicht haben, keine Staatsbürgerschaft vorweisen können, ist unbekannt. "Die Schwierigkeiten fangen schon bei der Registrierung an", sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards.

Um das "Im-Schatten-Leben" der Betroffenen zu beenden, listet das Hochkommissariat konkrete Forderungen auf. Staaten sollten allen Kindern, die auf ihrem Territorium geboren werden, die Staatsbürgerschaft gewähren. Mütter müssten das Recht haben, ihre Nationalität an ihre Kinder weiterzugeben. Der Grund: In vielen Ländern wird den Müttern verwehrt, ihre Staatsbürgerschaft auf den Nachwuchs zu übertragen. So werden Kinder, deren Vater nicht ausfindig zu machen ist, oft als Staatenlose geboren. Kinder staatenloser Eltern beginnen ihr Leben ebenfalls als Staatenlose.

Staatenlos durch Heirat

Außerdem verursachen bewaffnete Konflikte wie in Syrien und das Auseinanderbrechen von Staaten wie im Fall der früheren Sowjetunion Staatenlosigkeit. Weitere Gründe, weshalb man eine Staatsbürgerschaft verlieren kann: Heirat, Scheidung oder die willkürliche Entziehung der Staatsbürgerschaft.

Die Rechtsstellung der Staatenlosen wird durch ein internationales Übereinkommen von 1954 definiert. Die Konvention definiert, wer als staatenlos gilt, und legt Mindeststandards zur Behandlung der Betroffenen fest. Da sich die Probleme von Flüchtlingen und Staatenlosen oft überschneiden und eine Hilfsorganisation für die Betroffenen nicht existierte, erhielt das UNHCR im Jahr 2003 ein spezielles Mandat für Staatenlose. (Jan Dirk Herbermann aus Genf, 3.11.2015)

  • Kinder ohne Nationalität sind Diskriminierungen ausgesetzt (Symbolfoto).
    foto: ap photo / darko bandic

    Kinder ohne Nationalität sind Diskriminierungen ausgesetzt (Symbolfoto).

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