Photodynamische Therapie: Hautkrebs, belichtet

11. November 2015, 12:20
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Eincremen und bestrahlen statt wegschneiden, lautet das Prinzip – teils aber mit erheblichen Kosten

Wien – Ist von Hautkrebs die Rede, denken die meisten an das dunkle, äußerst aggressive Melanom. Die häufigste Krebsform beim Menschen ist allerdings der weiße Hautkrebs – ein Sammelbegriff für Nicht-Melanom-Hautkarzinome, etwa das Basaliom oder Vorstufen von bösartigen Tumoren wie Morbus Bowen und aktinische Keratosen, die sich unbehandelt zu invasiven Plattenepithel-Karzinomen entwickeln können.

"In Australien erkranken 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an weißem Hautkrebs", sagt Sonja Radakovic von der Abteilung für Allgemeine Dermatologie an der Med-Uni Wien. In Europa sind etwa 15 Prozent der Erwachsenen betroffen, Tendenz steigend. Üblicherweise bilden sich aktinischen Keratosen bevorzugt auf den "Sonnenterrassen" des Gesichts (Stirn, Nase und Ohren) und anderen lichtexponierten Stellen wie den Händen, Unterarmen und dem Dekolleté.

Als primäre Risikogruppe galten Menschen, die viel im Freien arbeiten mussten, beispielsweise Bauern und Bauarbeiter. "Neu ist, dass diese chronische Schädigung der Oberhaut, die durch rötliche, fest haftende Schuppen gekennzeichnet ist, zunehmend auch bei jüngeren Populationen zu beobachten ist – und zwar am ganzen Körper", sagt Radakovic. Ein Resultat der kumulativen UV-Überdosierungen, denen der Einzelne im Lauf seines Lebens ausgesetzt war, etwa durch Sonne oder Solarium.

Belichten statt schneiden

Während bei tiefliegenden Basaliomen der chirurgische Eingriff als Therapie erster Wahl gilt, ist für oberflächliche Basalzellkarzinome die nichtinvasive Methode der photodynamischen Therapie (PDT) eine erfolgversprechende Option – mit einer Heilungsrate um die 90 Prozent. Eine Methode, die auch bei Morbus Bowen und aktinischen Keratosen gute Ergebnisse erzielt.

Dabei werden die geschädigten Hautareale mit Aminolävulinsäure in Form einer Creme oder eines Gels behandelt und anschließend bis zu 20 Minuten mit lichtemittierenden Dioden (LED) bestrahlt. Die Aminolävulinsäure, eine natürliche Vorstufe von Hämoglobin, bewirkt, dass in den Tumorzellen verstärkt photoaktive Porphyrine produziert werden. Durch die Bestrahlung mit rotem Licht werden Sauerstoffradikale freigesetzt, die den programmierten Zelltod auslösen.

Die benachbarten, ungeschädigten Hautzellen bilden hingegen nur geringe Mengen der photoaktiven Stoffe. Das heißt, sie reagieren deutlich weniger auf Licht. "Dadurch kommt es zu einer abgeschwächten Reaktion, ohne dass gesunde Hautzellen absterben", erklärt die Dermatologin. Auf den behandelten Arealen können sich Rötungen, Hautschwellungen, Blasen- und Pusteln bilden. "Das sind aber keine Nebenwirkungen, sondern ist ein Ergebnis des phototoxischen Vorgangs, vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Nach etwa zwei Wochen schuppt die Haut ab, und von der Behandlung ist nichts mehr zu sehen", betont die Medizinerin.

Teure Schmerzen

Mit einer Nebenwirkung ist allerdings zu rechnen: einem brennenden, stechenden Schmerz, vor allem am Beginn der Behandlung. Meistens bringt die Kühlung mit kalter Luft, die standardmäßig gemacht wird, eine deutliche Linderung. "Das Schmerzempfinden ist aber äußerst individuell", so Radakovic, die eine Studie zu diesem Thema durchgeführt hat.

Dabei mussten 20 Patienten den Schmerz während einer PDT auf einer Skala von null bis zehn bewerten. Während der Großteil kaum zu leiden hatte und Werte im untersten Bereich angab, musste in zwei Fällen die Therapie unterbrochen werden. Schmerzempfindliche Patienten erhalten dann entweder eine andere Therapie, oder die PDT wird auf mehrere Termine aufgeteilt – wie bei großflächigen Hautschädigungen ohnehin üblich.

Im großflächigen Einsatz liegt ein weiterer Vorteil des Verfahrens: "Es ist wahrscheinlich, dass in aktinisch geschädigten Arealen auch unsichtbare Hautveränderungen vorhanden sind. Durch die Bestrahlung werden aber auch Schäden behandelt, die man noch nicht erkennt – was wiederum die Rezidivrate verringert", so Radakovic.

Bis vor wenigen Jahren wurde die Behandlung primär an Unikliniken eingesetzt. Durch kostengünstigere Lampen bieten mittlerweile zunehmend auch niedergelassene Fachärzte PDT an. Allerdings übernehmen die Krankenkassen in solchen Fällen keine Kosten. Patienten, die in Facharztpraxen ihre Haut belichten lassen, müssen mit mehreren hundert Euro für die Aminolävulinsäure und die Bestrahlung rechnen. Auch das kann schmerzen. (Günther Brandstetter, 11.11.2015)

  • Makellos bleibt die Haut nur, wenn sie niemals dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Denn Hautzellen merken sich jede Dosis UVA- und UVB-Strahlung – und das ein Leben lang.
    foto: pep karsten/corbis.com

    Makellos bleibt die Haut nur, wenn sie niemals dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Denn Hautzellen merken sich jede Dosis UVA- und UVB-Strahlung – und das ein Leben lang.

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