Cinque Torri: Aus der Eisenmine in den Eissalon

3. November 2015, 13:59
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Die Dörfer der Provinz Belluno waren lange Zeit von Abwanderung betroffen. Das verschafft dieser Region eine intakte Bergwelt, die im Gegensatz zum nördlichen Teil der Dolomiten kaum besucht wird

Das Val Zoldana ist kein Name, der einem gleich einfällt, wenn von den Dolomiten die Rede ist – obwohl das berühmte Cortina d'Ampezzo nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Selbst unter italienischen Alpinisten gilt das vom Staulanzapass alias Forcella Staulanza in Richtung Süden nach Longarone hinabziehende Tal noch als Geheimtipp – und nicht nur dieses Tal.

Die Bergwelt zwischen Cortina, der Provinzhauptstadt Belluno und dem Städtchen Feltre ist touristisch noch kaum erschlossen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Dolomitenhöhenwege Nummer eins und drei mitten durch dieses Gebiet in der Region Venetien führen. Denn nur wenige Weitwanderer kommen tatsächlich so weit in den Süden.

foto: picturedesk/gerhard wild
Die Cinque Torri – auf Deutsch: die Fünf Türme – sind eine spektakuläre Felsformation in den Ampezzaner Dolomiten zwischen dem Falzaregopass und Cortina d'Ampezzo. Die Großteil der südlichen Dolomiten in der Provinz Belluno gilt als touristisch wenig erschlossen.

Was die landschaftliche Schönheit angeht, brauchen die Belluneser Dolomiten den Vergleich mit dem Norden nicht zu scheuen. Felsformationen wie die Cinque Torri zwischen dem Falzaregopass und Cortina d'Ampezzo sind spektakulär schön. Und während man im nördlichen Bereich rund um Sella, Langkofel und Platt-kofel die markierten Wanderwege schon bis in die letzten Talverästelungen geführt hat, stößt der Besucher im südlichsten Teil oft auf überhaupt keine Wanderer.

Auch aus diesem Grund sind hier Auerhahn und Königsadler, Luchs, Wildkatze und Steinbock noch heimisch. Gelegentlich tauchen sogar Wölfe auf, und Naturschützer hoffen, dass der Braunbär – bisher meist nur auf Kurzbesuch – wieder dauerhaft bleibt. Gebirgsschluchten wie im Val de Piero in der Schiaragruppe erscheinen wie geschaffen für ihn.

Keine Dreitausender

Die Gründe für die weitgehende Unberührtheit dieses Teils der Dolomiten sind vielfältig: Die Dolomiten wurden von Norden her touristisch erschlossen. Nach Süden hin, wo der höchste Berg, die Schiara, "nur" 2565 Meter hoch ist, ließ das Interesse der Reisenden nach. Auch gab es hier nie nennenswerte Viehwirtschaft. Die Bewohner der südlichen Dolomitentäler, heute in ganz Mitteleuropa vor allem als Eissalonbesitzer bekannt, waren früher viel stärker in der Eisenverarbeitung als in der Landwirtschaft tätig. Der Name des Hauptortes des Val Zoldana, Forno di Zoldo, spielt auf die vielen Hochöfen an.

Eine andere Perspektive

In schwer zugänglichen Bergwäldern stößt man auf die Ruinen ehemaliger Knappendörfer. Die Dächer sind eingestürzt, die Fensterhöhlen starren leer, Brennnessel haben die einstigen Gärten längst in Besitz genommen. Aus vielen dieser Bergdörfer wie etwa Fornesighe – über keine Straße und keinen Fahrweg erreichbar – sind die letzten Bewohner schon vor gut 45 Jahren weggezogen.

Nummer zehn ist das Glanzstück

Um dem Tourismus in dieser wirtschaftlich schwachen Region eine Grundlage zu geben, wurde ein Teil der Belluneser Dolomiten 1993 zum Nationalpark erklärt. Sieben bewirtschaftete Schutzhütten des italienischen Alpenvereins CAI liegen in diesem Gebiet. Zumindest eine große Portion Polenta dürfen sich Wanderer dort erwarten.

Außer den beiden Dolomitenhöhenwegen, die von Südtirol herunterkommen und den Nationalpark berühren, hat man noch rund ein Dutzend Gebirgswanderwege angelegt, die in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden das Gebiet erschließen. Glanzstück ist gewiss der Weg Nummer zehn, der in sieben Tagesetappen von Forno die Zoldo quer durch den Nationalpark bis Feltre führt. (Christoph Wendt, 3.11.2015)

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