Steuerrazzia beim Deutschen Fußballbund

3. November 2015, 09:44
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Staatsanwaltschaft bestätigt Durchsuchungen wegen WM-Affäre

Frankfurt/Wien – Eine vom Deutschen Fußball Bund (DFB) bemühte, allerdings externe Kommission untersucht bereits die Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit der WM 2006 vulgo Sommermärchen. Jetzt hat sich auch eine quasi noch externere Instanz der Sache angenommen. Rund 50 Ermittler der Steuerfahndung führten am Dienstag Razzien in der DFB-Zentrale sowie in den Privathäusern von Verbandspräsident Wolfgang Niersbach, dessen Vorgänger Theo Zwanziger und von Exgeneralsekretär Horst R. Schmidt durch. Die Anwesen von Franz Beckenbauer, seinerzeit WM-Bewerbungs- und -Organisationschef, blieben unbesucht. Vielleicht, weil sie jenseits der Grenze, in Österreich, stehen.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt geht dem Verdacht der Steuerhinterziehung "in einem besonders schweren Fall" nach. Andere mögliche Tatvorwürfe – etwa Untreue oder Bestechung im internationalen Geschäftsverkehr – sind laut Oberstaatsanwältin Nadja Niesen bereits verjährt. Man sei ganz am Anfang der Ermittlungen, müsse abwarten, ob, und wenn, was sichergestellt worden sei, so Niesen. "Dann werden auch noch Zeugen gehört. Das alles kann also noch sehr, sehr lange dauern."

Es geht um jene 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom DFB an den Fußballweltverband (Fifa) flossen. Niersbach und Kollegen hatten erklärt, die Zahlung sei eine Art Vorleistung für einen von der Fifa in Aussicht gestellten, weit höheren WM-Zuschuss gewesen. Steuerlich scheint die Summe allerdings gemäß des allerersten Erklärungsversuchs behandelt worden zu sein – Kostenbeteiligung an einem Kulturprogramm für die WM. Niersbach, Zwanziger und Schmidt wird daher vorgeworfen, "die Einreichung inhaltlich unrichtiger Steuererklärungen veranlasst und hierdurch Körperschafts- und Gewerbesteuern sowie Solidaritätszuschlag für das Jahr 2006 in erheblicher Höhe verkürzt zu haben". Landet die Sache vor Gericht, drohen gar Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung. Sollte sich ein anderer Verdacht bestätigen, nämlich jener, dass die 6,7 Millionen zum Kauf von Stimmen für den seinerzeitigen WM-Zuschlag verwendet worden sind, gilt ein Verfahrenshindernis namens Verjährung. Auch deshalb hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht verneint und auf die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens verzichtet. (sid/lü, 3.11.2015)

Kommentar: Fußball immunisiert nicht

  • Im Visier der Ermittler: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ...
    foto: apa/epa

    Im Visier der Ermittler: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ...

  • ... und die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt.
    foto: reuters/orlowski

    ... und die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt.

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