VW-Abgasaffäre erreicht Porsche und Audi

3. November 2015, 13:20
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VW soll auch beim Porsche Cayenne und bei Audi-Modellen getrickst haben. Der Konzern weist das zurück, die Aktie fällt

Wolfsburg/Stuttgart – Neue Vorwürfe im Abgasskandal haben Volkswagen am Dienstag ins Rutschen gebracht. Das Papier des Autobauers verlor am Dienstag zeitweise fünf Prozent an Wert und sackte auf 107 Euro. Der Hintergrund: Die Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen weitet sich aus und erfasst nun auch die Konzerntochter Porsche. Die US-Umweltschutzbehörde EPA warf dem Konzern am Montag vor, die Manipulationssoftware auch bei Drei-Liter-Dieselmotoren von VW Touareg und Porsche Cayenne sowie bei mehreren Audi-Modellen eingebaut zu haben.

Bisher konzentrierten sich die Ermittlungen auf VW-Fahrzeuge mit kleineren Motoren. Der Konzern wies den neuen Vorwurf zurück, während sich Porsche "überrascht" zeigte. Volkswagen habe "wieder einmal" gegen das US-Gesetz zur Luftreinhaltung verstoßen, sagte die EPA-Vertreterin Cynthia Giles. Die EPA werde ihre Ermittlungen zu diesen "ernsten Angelegenheiten" fortsetzen. Insgesamt gehe es bei den neuen Vorwürfen um rund 10.000 Fahrzeuge, die seit 2014 in den USA verkauft worden seien.

Unbekannte Zahl aus dem Modelljahr 2016

Außerdem sei eine unbekannte Zahl an Autos aus dem Modelljahrgang 2016 betroffen. Bei den inkriminierten Audi-Modellen handelt es sich den Angaben zufolge um den A6 Quattro, den A7 Quattro, den A8, den A8L und den Sportgeländewagen Q5. Auch der Porsche Cayenne geriet ins Visier der US-Behörden – Porsche galt bislang als sauber. Der ehemalige Porsche-Chef Matthias Müller hatte die Führung des VW-Konzerns übernommen, nachdem Vorgänger Martin Winterkorn wegen des Skandals gehen musste.

Mitte September hatte die EPA Verstöße bei den VW-Modellen Jetta, Beetle, Golf und Passat sowie beim Audi A3 aus den Jahren 2009 bis 2015 gerügt. Volkswagen gab daraufhin zu, weltweit in bis zu elf Millionen Autos eine Software eingebaut zu haben, die bei Tests zu einem niedrigeren Schadstoffausstoß führt als auf der Straße. Der Wolfsburger Konzern betonte, dass "ausschließlich" Fahrzeuge mit Motoren vom Typ EA 189 betroffen seien – darunter fallen Dieselmotoren mit einem Hubraum von 1,2 Litern, 1,6 Litern sowie zwei Litern.

Am Montagabend wies Volkswagen die neuen Vorwürfe der EPA kategorisch zurück: Es sei "keine Software bei den 3-Liter-V6-Diesel-Aggregaten installiert" worden, "um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern". Das Unternehmen werde mit der EPA "vollumfänglich kooperieren, um den Sachverhalt rückhaltlos aufzuklären", teilte ein Konzernsprecher in Wolfsburg mit. Porsche zeigte sich in einer Erklärung "überrascht" über die Vorwürfe. Bislang hätten alle vorliegenden Informationen ergeben, dass der Porsche Cayenne Diesel die US-Vorschriften voll erfülle.

Auch Audi hat die Vorwürfe der US-Umweltschutzbehörde EPA zurückgewiesen: "Unsere Software ist gesetzeskonform", sagte Audi-Sprecher Udo Rügheimer der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Derzeit wisse Audi noch nicht, wie die EPA zu den Messwerten gekommen sei. Nun müsse Audi mit den Behörden die Funktionsweise des Programms "vielschichtig durchsprechen", sagte der Sprecher.

EPA will "klare Beweise haben"

EPA-Vertreterin Giles hatte davor hingegen erklärt: "Wir haben klare Beweise für diese zusätzlichen Verstöße." Die Manipulationssoftware bei den größeren Motoren sei im Rahmen der Ermittlungen entdeckt worden. Die Motoren stoßen laut EPA bis zu neunmal so viel Stickoxid aus wie erlaubt. Demnach erkennt die Software Emissionstests und schaltet automatisch in einen sparsameren Modus. "Genau eine Sekunde" nach dem Test springe der Motor dann wieder in den Normalbetrieb.

Allein in den USA kommen auf Volkswagen eine Milliardenstrafe sowie eine teure Rückrufaktion und Schadenersatzklagen zu. Auch in Deutschland und anderen Ländern laufen Ermittlungen. Der Abgasskandal drückte den Konzern im dritten Quartal in die roten Zahlen: Rückstellungen von 6,7 Milliarden Euro im Zusammenhang mit der Affäre sorgten unterm Strich für einen Verlust von 1,67 Milliarden Euro, wie Volkswagen Ende Oktober mitteilte.

Mangelnder Aufklärungswille

Im US-Repräsentantenhaus hat der Ausschuss für Energie und Handel eine Untersuchung des Skandals eingeleitet. "Es ist an der Zeit für Volkswagen, reinen Tisch zu machen", erklärten die Ausschussvorsitzenden mit Blick auf die neuen Vorwürfe. Der Fraktionsvize der Grünen im deutschen Bundestag, Oliver Krischer, warf den VW-Managern mangelnden Aufklärungswillen vor. "Der Sumpf von Abgasbetrügereien der Autoindustrie ist längst nicht trockengelegt, er war bisher offensichtlich nicht einmal ansatzweise bekannt", erklärte er.

Hierzulande fordert der VCÖ von den Behörden in der EU und in Österreich, dass der Dieselskandal umfassender zu untersuchen sei. "Die US-Behörden bringen beim Dieselskandal immer wieder Neues ans Tageslicht. Es ist höchste Zeit, dass auch in der EU die Untersuchungen beschleunigt und ausgeweitet werden", fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen Konsequenzen. (APA, 3.11.2015)

  • Die neuen Vorwürfe kratzen kräftig an Porsches Saubermannimage.
    foto: reuters/fassinger

    Die neuen Vorwürfe kratzen kräftig an Porsches Saubermannimage.

  • Zahlreiche VW-Autos müssen in die Werkstatt.
    foto: epa/julian stratenschulte

    Zahlreiche VW-Autos müssen in die Werkstatt.

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