Marcel Mathis: Schritt für Schritt und mit Geduld

4. November 2015, 10:39
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2012 fuhr der 20-jährige Marcel Mathis sensationell auf einen Weltcup-Podestplatz. Dreieinhalb Jahre später tut sich der Vorarlberger schwer, im Europacup mitzuhalten. Was dazwischen passiert ist und warum er trotzdem nicht aufgibt

Wien – Marcel Mathis wirkt ruhig und entspannt. Die Zeiten des Frusts sind vorbei. "Es war nicht einfach, weil es nicht so gelaufen ist, wie ich es gerne gehabt hätte." Mathis, 23, aus Hohenems in Vorarlberg, galt als großes Zukunftsversprechen im Österreichischen Skiverband (ÖSV). Er war gerade einmal 20, als er am 18. Februar 2012 sensationell Dritter beim Weltcup-Riesentorlauf in Bansko wurde. Mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang fuhr er von Platz 26 nach vor. Bis dahin war Mathis' bestes Weltcup-Ergebnis ein 25. Platz gewesen. Das Versprechen war mehr als eingelöst.

Auf den kurzen Carvingskiern fühlte sich Mathis pudelwohl. "Er hat die Technik perfekt beherrscht", sagt Mathis' nunmehriger Trainer Jürgen Graller. Der Jungspund fuhr ein weiteres Mal aufs Podest (Dritter in Schladming 2012), noch dreimal in die Top Ten, dann war's das.

foto: apa/barbara gindl
In Schladming schwang Mathis nicht nur 2012 als Dritter im Riesentorlauf ab, ein Jahr später holte er sich sogar WM-Gold mit dem ÖSV-Team.

Die stark taillierten Ski erlaubten nicht nur extreme Innenlagen und schnelle Schwünge, sie forderten auch zahlreiche Sturz- und Verletzungsopfer. Also sprach der Internationale Skiverband (Fis). Ab der Saison 2012/13 musste wieder mit längeren, weniger taillierten Latten gefahren werden. Mathis traf die Umstellung besonders hart, eine Saison hielt der Vorarlberger noch mit. Dann verpasste er komplett den Anschluss.

Zwei Winter zum Vergessen

"Es waren lehrreiche Jahre", sagt Mathis heute. In zwölf Weltcup-Riesentorläufen in den Wintern 2013/14 und 2014/15 qualifizierte er sich nur dreimal für einen zweiten Durchgang. Zwei 16. Plätze waren das Maximum.

Mathis pendelte zwischen Welt- und Europacup. Aber statt sich wieder heranzutasten, fiel er noch weiter zurück. Tiefpunkt war der 20. November 2014. Im Europacup-Riesentorlauf in Levi landete der Vorarlberger auf Rang 52. Es war der Zeitpunkt, als Jürgen Graller, ÖSV-Trainer im Europacup-Team, sagte: "Wir müssen reagieren." Mathis hatte es noch immer mit seiner alten Fahrtechnik probiert, aber die eignete sich nicht mehr für die längeren Ski.

Graller: "Wir haben die Technik umgestellt. Er fährt jetzt mit mehr Drehung über den Außenski." Mathis vertraute seinen Trainern, stellte sich um. Aber so eine Umstellung braucht Zeit. Und Geduld. Mathis, so scheint es, hat sie. Wieder. "Ich bin jetzt 23. Das ist noch nicht so alt." An alte Erfolge hat er noch nicht wieder angeknüpft. Aber im Training, sagt er, sei er schon wieder konstanter.

foto: epa/hans klaus techt
Mathis musste sich auf eine neue Technik umstellen.

Keine Illusionen

Diesen Winter konzentriert er sich auf den Riesentorlauf und den Europacup. Saisonziel? "Ich habe mir keines gesetzt." Mathis macht sich keine Illusionen. Er ist sich im Klaren, dass er nicht urplötzlich wieder in der Weltspitze landen wird. Wahrscheinlich habe er sich in der Vergangenheit zu viel Druck gemacht. "Aber jetzt muss ich, jetzt darf ich schauen, dass ich wieder den Anschluss finde."

Vor neun Tagen durfte Mathis in Sölden einen Ausflug in die höchste Klasse der Skifahrer machen. Der Vorarlberger wurde für den verletzten Matthias Mayer nachnominiert. "Ich erwarte mir nichts. Ich erhoffe mir nichts", hatte Mathis vor dem Rennen gesagt. Trainer Graller sah zwei Patzer, einen bei der Steilhangeinfahrt, einen bei der Steilhangausfahrt. Dazwischen sei es nicht so schlecht gewesen. Es reichte für Platz 46. Aber Mathis' Erwartungen konnten ja nicht enttäuscht werden.

Anfang Dezember fängt für ihn die Saison erst richtig an, mit einem Europacup-Riesentorlauf in Aare. Bis dahin bleiben noch einige Trainingstage. "Ich kann jeden Tag einen kleinen Schritt machen." (Birgit Riezinger, 4.11.2015)

  • Marcel Mathis galt als großes Ski-Talent. In jungen Jahren fuhr er zweimal aufs Weltcup-Podest. Aber seit der Materialumstellung im Riesentorlauf ist für den Vorarlberger nichts mehr, wie es war.
    foto: apa/epa/groder

    Marcel Mathis galt als großes Ski-Talent. In jungen Jahren fuhr er zweimal aufs Weltcup-Podest. Aber seit der Materialumstellung im Riesentorlauf ist für den Vorarlberger nichts mehr, wie es war.

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