Abschmelzen der Westantarktis ist bald unumkehrbar

3. November 2015, 11:29
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Neue Studie bestätigt Gefahr einer nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklung am Südpol

Antarktis – Klimaforscher warnen erneut davor, dass die Situation auf dem Südpol einer kritischen Marke entgegen schmilzt. Nun von Wissenschaftern vom Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) präsentierte Computermodelle untermauern, was bereits vorangegangene Studien feststellen konnten: Der über lange Zeiträume hinweg stabile westantarktische Eispanzer könnte bereits in wenigen Jahrzehnten zusammenbrechen. Sollte das geschehen, dann ließe sich der dadurch ausgelöste Teufelskreis nicht mehr stoppen.

Leitautor Johannes Feldmann erklärte: "In unseren Simulationen genügen 60 Jahre des Abschmelzens in der heute beobachtbaren Rate, um einen dann nicht mehr aufzuhaltenden Eisverlust auszulösen, der tausende von Jahren anhält." Letztlich würde dies zu einem Meeresspiegelanstieg von mindestens drei Metern führen, der sich aber über lange Zeiträume hinziehe.

Die von den PIK-Forschern nun in der Fachzeitschrift "PNAS" veröffentlichte Studie deckt sich im Tenor mit anderen wissenschaftlichen Studien aus den vergangenen Monaten, denen zufolge die Stabilität der Eispanzer in der westlichen Antarktis bereits jetzt unwiderruflich gestört worden sein könnte. In den Untersuchungen geht es um die Region der Amundsen-See.

Fatale Rückkopplungseffekte

Bei den Gletschern dort wirken Rückkopplungseffekte, die ein einmal begonnenes Schmelzen unumkehrbar machen können. Große Teile des Eises haben bisher noch keinen Kontakt zum Meerwasser, weil die Eisfelder auf einem unebenen Felsenbett aufliegen, das erst in Richtung des Antarktis-Inneren zu einem tieferem Becken abfällt.

Bisher liegt die Eiskante in vergleichsweise flachem Wasser. Durch das Abschmelzen weicht sie jedoch weiter zurück in das tiefer werdende Becken. Dadurch wird die Kontaktfläche zwischen Eis und Meerwasser insgesamt größer, was den Prozess des Abschmelzens beschleunigt.

Aussagen zur Ursache des Stabilitätsverlusts in der West-Antarktis trafen die Forscher in der Untersuchung dabei nicht. Es fehlten Belege, dass dieser Vorgang ursprünglich durch den Ausstoß von Treibhausgasen und die damit einhergehenden Klimaveränderungen ausgelöst worden sei, erklärte Co-Autor Anders Levermann. Davon unabhängig sei aber klar, dass jeder weitere Ausstoß von Treibhausgasen das Risiko eines Zusammenbruchs der Eispanzer der West-Antarktis und damit auch eines unaufhaltsamen Anstiegs des Meeresspiegels erhöhen werde. Die CO2-Emissionen müssten reduziert werden. (APA, red, 3.11.2015)

  • Noch wirken sie stabil, doch bereits in wenigen Jahrzehnten könnten die Eismassen der West-Antarktis in einen unaufhaltsamen Prozess geraten, an dessen Ende der totale Eisverlust steht.
    foto: apa/epa/michael studinger

    Noch wirken sie stabil, doch bereits in wenigen Jahrzehnten könnten die Eismassen der West-Antarktis in einen unaufhaltsamen Prozess geraten, an dessen Ende der totale Eisverlust steht.

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