Standorte für Kinder-Reha-Zentren erst 2016 fix

3. November 2015, 05:30
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Entgegen früheren Ankündigungen ist man noch nicht so weit, dass Zahl und Ort der Zentren zum Jahresende geklärt sind

Wien – Eine Mutter schreibt auf der Plattform der Selbsthilfegruppe Lobby4kids: "Mein Sohn hatte mit 13 einen Hirnschlag. Wir brauchen eine Therapie!" Allerdings wisse sie nicht, wer ihrem Sohn weiterhelfen könne: "Für einen Arzt ist er zu jung, für einen zu alt!" Im Forum von Lobby4kids, wo Eltern von Kindern mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen bei Problemen um Unterstützung bitten, sind Therapieplätze und -kosten häufig ein Thema.

Daran soll sich etwas ändern, ist doch in Österreich längst die Errichtung neuer Kinder-Reha-Zentren geplant. Allerdings spießte es sich nach der im Sommer 2014 zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und den Ländern erzielten Einigung auf die Finanzierung noch an der Frage, wo genau die Einrichtungen entstehen sollen.

Schlussendlich wurde rund ein Jahr später ein zweistufiges Ausschreibungsverfahren gestartet. Damals hieß es seitens des Hauptverbands, bis Ende 2015 solle geklärt sein, an welchen vier Standorten die Reha-Zentren für Kinder und Jugendliche mit insgesamt 343 Betten plus 50 Betten für Angehörige errichtet werden und wer sie betreiben wird. Diese Zielsetzung wird nun aber doch nicht eingehalten, wie der STANDARD erfuhr.

Phase zwei läuft an

Die Interessentensuche – Phase eins des vor zwei Monaten begonnenen Verfahrens – sei zwar abgeschlossen, hieß es auf Nachfrage vom Hauptverband. Nun laufe aber erst die nächste Phase des zweistufigen Prozederes an: Dabei geht es um die konkreten Projekte; nach Punktevergabesystem wird dann darüber entschieden, mit wem Verhandlungsgespräche darüber aufgenommen werden, die – "hoffentlich" – noch heuer beginnen sollen, wie Bernhard Wurzer, stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbands, sagt. Mehr könne man über das laufende Verfahren nicht verraten.

Vier Regionen, elf Lose

Dass es sich am Ende um vier Standorte handeln werde, wie ursprünglich einmal angedacht war, ist nicht gesagt: In vier Versorgungsregionen – Nord, Ost, Süd und West – sollen Reha-Zentren entstehen. Doch für jeden geplanten Behandlungsschwerpunkt wurde ein eigenes Los ausgeschrieben. Insgesamt elf Lose werden vergeben.

Dieses Vorgehen sieht Markus Wieser, Obmann der Initiative Kinderreha, kritisch. Wieser, der auch Präsident der Niederösterreichischen Arbeiterkammer ist, meint, es sei "nicht unbedingt gescheit" gewesen, Lose nach medizinischen Indikationen einzeln auszuschreiben. Er hoffe, dass es nicht zu einer "Zerfledderung" komme und dass am Ende Zentren herauskämen, die "wirklich die beste Qualität bieten". Ein gebündeltes Angebot an vier bis fünf Standorten fände er am besten.

Kritik an später Ausschreibung

Die nun gewählte Form der Ausschreibung hätte man seiner Meinung nach "schon weit früher" beginnen können. Sie sei das Ergebnis dessen gewesen, dass man nicht den Mut gehabt habe, Standorte einfach festzulegen. Es sei nicht damit zu rechnen, dass vor Ende 2016 überhaupt mit dem Bau der Reha-Zentren begonnen werde, ergänzt Wieser. Also müssten Kinder noch länger in Erwachseneneinrichtungen therapiert werden oder – in einzelnen Fällen – auch zur Behandlung ins Ausland fahren.

Das Geld zur Finanzierung der Kinder-Reha-Zentren in Höhe von 33 Millionen Euro pro Jahr im Vollausbau kommt großteils von der Sozialversicherung, die Länder übernehmen pauschal 8,5 Millionen Euro jährlich. (Gudrun Springer, 3.11.2015)

  • Die Finanzierung der neuen kindgerechten Therapieplätze in Österreich haben Länder und Sozialversicherung längst geklärt.
    foto: corn

    Die Finanzierung der neuen kindgerechten Therapieplätze in Österreich haben Länder und Sozialversicherung längst geklärt.

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