Die Gehirne von Affen und Menschen arbeiten unterschiedlich

2. November 2015, 19:17
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Affen nutzen zur Erkennung der Blickrichtung von Artgenossen den Mandelkern, Menschen vermutlich die Hirnrinde

Bonn – Affen und Menschen nutzen jeweils unterschiedliche Gehirnbereiche, um bestimmte Aufgaben auszuführen: Wie Forscher von der Universität Bonn berichten, können beide sehr schnell erkennen, wohin ein Gegenüber blickt. Die Auswertung der Blickrichtung erfolgt bei Affen allerdings im so genannten Mandelkern, einer entwicklungsgeschichtlich sehr alten Hirnregion. Der menschliche Mandelkern scheint für die Blickrichtung dagegen blind zu sein, wie sich nun zeigte. Die Forscher spekulieren, dass diese Fähigkeit stattdessen in die Hirnrinde ausgelagert wurde.

Der Mandelkern (lateinisch: Amygdala) ist unter anderem dafür zuständig, mögliche Gefahren zu erkennen. Dazu analysiert er beispielsweise die Informationen, die er vom Sehzentrum erhält: Kenne ich dieses Gesicht, oder ist es fremd? Schaut es freundlich drein oder wütend? Auch die Blickrichtung des Gegenübers kann auf eine Bedrohung hinweisen: Sind seine Augen vor Schreck geweitet und fixieren einen Punkt über meiner Schulter? Dann sollte ich mich wohl am besten schnell umdrehen. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass bei Affen die Erkennung der Blickrichtung ebenfalls im Mandelkern erfolgt. Bei Menschen ist die Lage nicht so klar: Manche Untersuchungen sprechen für eine Beteiligung des Mandelkerns, andere dagegen.

Die Wissenschafter der Universität Bonn konnten diese Frage nun dank einer neuartigen Methode beantworten. Sie analysierten, wie einzelne Nervenzellen im Mandelkern von Epilepsie-Patienten auf den Anblick von Gesichtern reagieren. Dazu zeigten sie ihren Probanden Portraitfotos verschiedener Personen. Von jedem Bild gab es neun Varianten: Auf einer schaute das Modell direkt in die Kamera, auf den anderen richtete es den Blick dagegen nach oben, schräg unten, zur Seite, etc.

Implantierte Elektroden

Während die Patienten die Bilder betrachteten, zeichneten die Wissenschafter die Signale einzelner Mandelkern-Neurone mithilfe von implantierten Elektroden auf. Erstaunliches Ergebnis: "Wir hatten erwartet, dass manche Neurone vor allem bei einer bestimmten Blickrichtung feuern, also elektrische Pulse erzeugen", erklärt Florian Mormann von der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn. "Dafür haben wir aber keine Anhaltspunkte gefunden. Die Blickrichtung scheint daher beim Menschen nicht im Mandelkern erkannt zu werden."

Die Forscher vermuten, dass diese Aufgabe stattdessen in die Hirnrinde ausgelagert wurde. Allerdings konnten die Neuronen im menschlichen Mandelkern zwischen verschiedenen Gesichtern unterscheiden: Manche wurden nur bei Fotomodell 1 aktiv, andere nur bei Modell 2 oder Modell 4. (red, 2.11.2015)

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