Versäumt, nicht verloren

2. November 2015, 17:22
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Manoel de Oliveiras "Visita ou Memórias e confissões" wirkt heute umso magischer und mysteriöser

Es gibt viele Gründe, einen Film zu verpassen. Einer der schlechtesten ist es, dass der Abstand zwischen den Vorführungen zu knapp ist, um noch rechtzeitig im anderen Kino anzukommen. Trösten kann man sich damit, dass am Ende jedes Festivals die Zahl der Filme, die man versäumt hat, größer ist als die jener, die man gesehen hat.

Dennoch hätte ich es gerne in Wake von John Gianvito geschafft, in dem der US-Amerikaner die politischen und ökologischen Verwerfungen auf den Philippinen vermisst. Mit ihren Schilderungen von Oncle Bernard, in dem der beim Anschlag auf Charlie Hebdo getötete französische Ökonom Bernard Maris eloquent wirtschaftliche Zusammenhänge erklärt, hat mir die STANDARD-Jury große Lust auf diese Arbeit gemacht. Auch das auf iPhones gedrehte Eifersuchtsdrama Tangerine ging an mir leider vorüber.

Andererseits: Filme gehen nicht so leicht verloren. Der dieses Jahr mit 106 Jahren verstorbene Manoel de Oliveira hat Visita ou Memórias e confissões im Alter von 73 Jahren gedreht. Er durfte erst jetzt gezeigt werden: Umso magischer und mysteriöser wirkt dieser verspätete Brief aus der Vergangenheit, in dem uns der Portugiese sein Haus, seine Familie und seine Liebe zum Kino näherbringt. Das Filmmuseum zeigt einige seiner Filme von 13. bis 30. November. (Dominik Kamalzadeh, 2.11.2015)

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