Drogen und Alkohol: Viele weiße Amerikaner sterben früh

3. November 2015, 05:30
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Eine große Metastudie zeigt: Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit

Immer mehr weiße US-Bürger sterben schon in einem Alter um die 50. Vor allem unter ärmeren und schlecht gebildeten Weißen zwischen 45 und 54 Jahren steige die Zahl der Todes- und Krankheitsfälle, bilanziert eine Studie in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("Pnas").

Gründe seien Drogen- und Alkoholvergiftung, Suizid sowie Lebererkrankungen, schreiben die Gesundheitsökonomen Anne Case und Angus Deaton von der Princeton University. Von den Afroamerikanern und Latinos in den USA überleben dagegen immer mehr Menschen dieses Alter.

Bildung ausschlaggebend

Die Forscher werteten für ihre Metaanalyse die Daten von 45- bis 54-Jährigen aus mehreren großen US-Gesundheitsbestandsaufnahmen für den Zeitraum 1999 bis 2013 aus. Dabei zeigte sich bei der weißen Bevölkerung ein deutlicher Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit.

Unter denjenigen, die eine Highschool – in den USA eine Gesamtschule – oder weniger absolviert hatten, vervierfachte sich in dem Zeitraum die Todeszahl durch Alkohol oder Drogen. Es gab 80 Prozent mehr Suizide und 50 Prozent mehr Tote durch Leberleiden. Insgesamt stieg die Todesrate im mittleren Alter in dieser Gruppe um 22 Prozent an.

Unter den Menschen mittleren Alters, die zumindest zeitweise ein College besucht hatten, blieb die Todesrate nach 1998 unverändert, während sich die Zahl bei weißen Amerikanern mit Hochschulabschluss sogar etwas verringerte. Unterm Strich zeigte sich für diese Altersklasse dennoch eine steigende Tendenz von etwa 0,5 Prozent pro Jahr. Die Zahl stieg für alle weißen Amerikaner mittleren Alters im Untersuchungszeitraum von etwa 380 Todesfällen pro 100.000 Menschen auf rund 410 pro 100.000.

Mehr Arbeitsunfähige

Die hohen Todesraten gehen einher mit einem Anstieg an Krankheiten: Viele Weiße der Altersgruppe beklagen körperliche und psychische Probleme. Die Zahl der Arbeitsunfähigen steigt. Rechnet man die Jahre 2011 bis 2013 zusammen, hatte laut Studie jeder Dritte chronische Gelenkschmerzen und jeder Siebte Ischias-Leiden ("Hexenschuss"). Fettleibigkeit sei zwar auch ein Problem, so die Autoren, habe die Todesrate im mittleren Alter bisher aber nicht wesentlich beeinflusst.

Seit Mitte der 90er-Jahre werden zudem immer mehr starke, opioidhaltige Schmerzmittel verschrieben – die Grenze zu einer Nutzung als Droge ist hier oft fließend. Die Forscher fordern deshalb striktere Verschreibungsregeln. Daneben seien aber auch tiefere soziale und ökonomische Probleme anzugehen. "Wenn das, was hier passiert, eine Epidemie der Hoffnungslosigkeit ist, dann sehen wir eine weitere schreckliche Folge von langsamem Wachstum und von wachsender Ungleichheit", bilanziert Deaton.

In die durchschnittliche Lebenserwartung von US-Amerikanern, die für 2013 geborene Kinder bei 78,4 Jahren liegt, seien die Studienzahlen bereits eingerechnet, ergänzte Deaton. Sie dürften die Kurve abgeflacht haben. "Die Lebenserwartung wird sich weniger schnell erhöht haben, als es ohne diese Epidemie der Fall gewesen wäre." Die Lebenserwartung für 2013 in Österreich geborene Kinder ist übrigens geringfügig höher: Sie liegt laut Statistik Austria für Buben bei 78,5 und für Mädchen bei 83,6 Jahren. (APA, 3.11.2015)

  • Vor allem ärmere US-Bürger sterben oft schon um die 50 – Ursache sind meist Drogen- und Alkoholmissbrauch.
    foto: apa/dpa/oliver berg

    Vor allem ärmere US-Bürger sterben oft schon um die 50 – Ursache sind meist Drogen- und Alkoholmissbrauch.

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