Wettbewerbshüter werfen Auge auf Bank-Austria-Plan

2. November 2015, 05:30
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Die Wettbewerbsbehörde wird laut Theo Thanner einen Verkauf der Privatkundensparte an die Bawag nicht einfach durchwinken

Wien – Die Gespräche zwischen den Vertretern der Mailänder Unicredit und des US-Fonds Cerberus über den Verkauf des Privatkundengeschäfts der Bank Austria (BA) an die Bawag gehen weiter. Vorige Woche gab es in Italien etliche Termine zum Thema. In den Augen von Involvierten steigt die Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens eines derartigen Deals zwischen den italienischen Bank-Austria- den amerikanischen Bawag-Haupteigentümern.

In Österreich sorgt der Plan für einiges an Unruhe und Nachdenklichkeiten – auch bei den Wettbewerbshütern. Der Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), Theo Thanner, kündigt auf Nachfrage des STANDARD an: "Wir werden ein derartiges Vorhaben sicher nicht einfach durchwinken."

Analyse der Marktanteile

In der österreichischen Bankenlandschaft habe es schon lange, nämlich seit der Bildung des Sparkassenverbundes im Jahr 2007, keine Zusammenschlüsse mehr gegeben, im Fall des Falles "wird daher eine genaue Analyse der Marktanteile erforderlich sein", erklärt der BWB-Chef. Man müsse also erheben, wie groß das Privatkundengeschäft der Banken in Österreich derzeit ist. Als Grenze für eine marktbeherrschende Stellung gelten 30 Prozent.

Da eine solche Erhebung aber längere Zeit in Anspruch nehme, sei die Sache ein "typischer Fall für Pränotifizierungsgespräche mit der BWB", meint Thanner. Solche empfiehlt die Behörde laut ihrer Homepage immer dann, "wenn Zweifel über die Notwendigkeit einer Anmeldung vorliegen oder ein Zusammenschluss sehr komplex oder die Marktanteile nach dem Zusammenschluss sehr hoch sind". Bei Anmeldungen für Zusammenschlüsse hat die BWB für ihre Prüfungen nur vier Wochen Zeit.

Abseits des Verkaufs der Retailsparte wollen die Italiener auch das Osteuropageschäft, für dessen Großteil derzeit die BA zuständig ist, nach Mailand holen. Laut Kennern des 2006 geänderten Bank-der-Regionen-Vertrags ("Rebora") ist das zwar möglich – aber nur gegen Bezahlung. Der Kauferlös würde der Bank Austria zufließen, die ihn auch an die Mutter Unicredit ausschütten könnte.

Gemeinde Wien involviert

Allerdings nur eingeschränkt, muss sie doch für die Bankpensionisten und die Mitarbeiter, die noch Anspruch auf solche Pensionen haben, vorsorgen. Es geht um 4,2 Mrd. Euro. In die Haftungskette ist die Gemeinde-Wien-nahe AVZ Privatstiftung (sie ist BA-Namensaktionärin) eingeknüpft und die Stadt als Ausfallsbürgin. Sie muss also dann geradestehen, wenn niemand anderer zum Zahlen gebracht werden kann.

Ein wenig mehr Klarheit über die neue Struktur der Unicredit-Gruppe sollte es am 11. November geben, da will Konzernchef Federico Ghizzoni Klartext reden. Zuletzt sprachen Insider davon, dass der geplante Jobabbau nicht wie bisher kolportiert 10.000, sondern 12.000 Stellen betreffen könnte.

Eine andere Sorge ist die Bank los. Ein italienisches Gericht hat keine Beweise für kriminelle Machenschaften dreier hoher Manager der Großbank gefunden; ihnen waren Geschäfte mit der Mafia vorgeworfen worden. (Renate Graber, 2.11.2015)

  • Noch kein grünes Licht für die Zukunft der Bank Austria.
    foto: reuters/bader

    Noch kein grünes Licht für die Zukunft der Bank Austria.

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