Netzneutralität: Widerstand gegen Bezahl-Internet-Plan der Telekom

31. Oktober 2015, 12:15
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Vorstand der Deutschen Telekom hatte angekündigt, Start-ups mittels Umsatzbeteiligung zur Kasse zu bitten

Die kostenpflichtigen Überholspuren im Netz der Deutschen Telekom stoßen auf wenig Gegenliebe. Vorstandsvorsitzender Tim Höttges hatte kürzlich angekündigt, dass Start-ups künftig an die Kasse gebeten werden, wenn diese "Spezialdienste" auf den Markt bringen wollen. Als Beispiel gab Höttges etwa Videokonferenzen oder Online-Gaming an. Für den Telekom-Chef sei dies eine "natürliche Weiterentwicklung" des Internets.

SPD und CDU/CSU dagegen

Lars Klingbeil, Netzexperte der deutschen SPD,gab wiederum an, dass die EU-Verordnung für ein "offenes Internet" nicht "mittelstands- und innovationsfeindlich" umgesetzt werden dürfe. Klingbeil gehe weiters davon aus, dass es "zu schwierigen Gesprächen" mit der Telekom kommen werde. Auch die CDU/CSU ist gegen die Pläne von Höttges. CDU/CSU-Netzexperte Thomas Jarzombek forderte, dass Start-ups auch weiterhin kostenlosen Zugang zur Infrastruktur erhalten sollten.

Kritik von Unternehmen

Auch auf Unternehmerseite regt sich Widerstand gegen die Telekom-Pläne. Das Webradio ByteFM gab etwa im Gespräch mit Spiegel Online an, dass man aufgrund des Vorstoßes um die eigene Existenz fürchte. Der Bundesverband deutscher Startups kommentierte die geplante Umsatzbesteuerung damit, dass die Telekom offenbar junge Online-Firmen ausbremsen wolle.

"3" überlegt – für A1 "kein Thema"

Der Aufschrei dürfte die Deutsche Telekom mittlerweile zum Umdenken bewegt haben. So unterstrich ein Konzern-Sprecher, dass man Start-ups nicht zur Kasse bitten wolle. Beim österreichischen Mobilfunkprovider "3" würde man hingegen bereits über "Kooperationen mit kleinen Unternehmen und Start-ups" nachdenken. "3" arbeitet bereits mit Spotify zusammen – über ein eigenes Angebot knabbert der Musikstreaming-Anbieter nicht am Datenvolumen. T-Mobile hat sich zu der aktuellen Thematik noch nicht geäußert, für A1 sei dies "kein Thema". (dk, 31.10.2015)

  • Die Deutsche Telekom überlegt kostenpflichtige Überholspuren im Netz. Politik und Unternehmen rebellieren.
    foto: apa/epa/hirtz

    Die Deutsche Telekom überlegt kostenpflichtige Überholspuren im Netz. Politik und Unternehmen rebellieren.

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