Asylquartier Erdberg: Übernahme durch Wien verzögert sich leicht

30. Oktober 2015, 17:19
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Nicht wie angekündigt am 1. November, sondern im Laufe der kommenden Woche übernimmt Wien das Quartier. Betrieben wird es nicht mehr von ORS

Wien – Die Betreiberfirma ORS, etwa für das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen zuständig, ist ab kommender Woche nicht mehr im Asylquartier in Wien-Erdberg tätig. Das war eine der Hauptbedingungen der Stadt Wien, um das Quartier vom Bund zu übernehmen. Angeboten hatte dies Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Künftig sind Caritas und Arbeiter-Samariter-Bund für die Betreuung verantwortlich.

Der noch vor der Wien-Wahl verkündete Übernahmetermin am 1. November ist aus organisatorischen Gründen nicht ganz zu halten, sagte Peter Hacker, Wiener Flüchtlingskoordinator und Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien (FSW), dem STANDARD. Der Vertrag werde aber im Laufe der kommenden Woche unterschrieben. Ob in Erdberg zusätzlich eine Securityfirma beauftragt wird, sei Sache der NGOs, sagte Hacker. "Mich würde es nicht stören."

636 Personen untergebracht

Derzeit sind im Heim 636 Personen untergebracht, davon 314 unbegleitete Minderjährige. Die Zahl der Jugendlichen soll laut Hacker "massiv reduziert werden", sie sollen in den nächsten Monaten in adäquat betreute Kleinquartiere in Wien übersiedeln. Die frei werdenden Kontingente sollen vor allem Familien bekommen. Für einen "Wohnhaus-Charakter" seien aber noch Umbaumaßnahmen nötig.

Die Unterkunft war ursprünglich als Entlastung für die Erstaufnahmezentren, also etwa Traiskirchen, gedacht und sollte nur vier Monate, von Oktober 2014 bis Jänner 2015, in Betrieb sein. Im Mai wurde die ehemalige Zollamtsschule aber wieder für Schutzsuchende geöffnet, weil die Länder weiterhin nicht genug Flüchtlinge aufnahmen. Wien übererfüllte die Quote zu jener Zeit und liegt auch aktuell bei 115 Prozent.

Vermieter geht von längerfristiger Nutzung aus

Durch die städtische Übernahme ändert sich die Zielgruppe, so Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck. Untergebracht werden nun nicht mehr Flüchtlinge, die im Zulassungsprozess und somit in Bundesverantwortung sind, sondern solche, die bereits zum Asylverfahren zugelassen wurden und damit in Länderverantwortung fallen.

Der Eigentümer des Gebäudes, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), habe mit dem neuen Mieter, dem FSW, die Konditionen bereits vereinbart, so ein BIG-Sprecher. Diese würden sich von jenen des bisherigen Mietvertrages mit dem Innenministerium kaum unterscheiden. Man gehe von einer längerfristigen Nutzung aus. Die ursprünglichen Pläne, aus dem Haus ein Studierendenwohnheim zu machen, seien in der Schublade gelandet. (David Krutzler, Christa Minkin, 30.10.2015)

  • Die ehemalige Zollamtsschule wird seit 2014 zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt – zunächst nur temporär. Jetzt wird das Haus zu einem festen Länderquartier, künftig mit "Wohnhaus-Charakter".
    foto: apa / robert jäger

    Die ehemalige Zollamtsschule wird seit 2014 zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt – zunächst nur temporär. Jetzt wird das Haus zu einem festen Länderquartier, künftig mit "Wohnhaus-Charakter".

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