Deutschkurse: Wenig befriedigtes "Riesenbedürfnis"

30. Oktober 2015, 19:41
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Von einem flächendeckenden Angebot an Deutschkursen für Asylsuchende ist Österreich noch weit entfernt

Wien – Flüchtlinge sollen möglichst rasch Deutsch lernen – diese Forderung hört man oft. In der Praxis scheitert es aber am Angebot: Geförderte Deutschkurse gibt es meist erst dann, wenn das Asylverfahren positiv beendet worden ist, also teilweise nach Jahren des Wartens.

Die von AMS-Vorstand Johannes Kopf im STANDARD -Interview erhobene Forderung, dieser Praxis ein Ende zu setzen und "flächendeckende Deutschkurse in allen Betreuungseinrichtungen ab Tag eins" des Asylverfahrens anzubieten, fehlt noch viel. Die Gemeinde Wien, zweitgrößter Deutschkurs-Anbieter nach dem AMS, sieht Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) gefordert. Wien hat sein Integrationskursangebot für Asylsuchende geöffnet. Das Programm umfasst neben Deutschkursen auch Orientierungskurse – etwa, wo man hingehen kann, wenn Schmerzen auftreten. "Wien hat im Vorjahr drei Mal so viel für Sprachkurse ausgegeben wie das Ministerium im gesamten Bundesgebiet", so Andreas Berger, Sprecher der Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). Kurz war bis Redaktionsschluss für keine Stellungnahme verfügbar.

"Riesenbedürfnis"

Unter Asylsuchenden gebe es jedenfalls "ein Riesenbedürfnis nach Deutschkursen", sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, im STANDARD-Gespräch. "Viele wollen unbedingt Deutsch lernen, aber wir können es nicht anbieten." Derzeit helfe man sich mit Ehrenamtlichen, die Sprachkurse durchführen. Fenninger hält es aber für "ganz wichtig, so früh wie möglich zu beginnen": Einerseits, um den Austausch zwischen Österreichern und Flüchtlingen zu ermöglichen und dadurch Vorurteile abzubauen, andererseits, um die Flüchtlinge möglichst rasch in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Das Arbeitsmarktservice ist der größte Deutschkursanbieter in Österreich. Seine Kurse richten sich aber an anerkannte Flüchtlinge. Aus Sicht des AMS sollten diese dann, wenn sie an den Arbeitsmarkt vermittelt werden, aber bereits Deutsch gelernt haben. Derzeit ist das kaum möglich.

Zurzeit werden rund 70 Prozent der Kursmittel vom AMS bereitgestellt, knapp ein Fünftel übernehmen Länder und Gemeinden. Vier Prozent kommen vom Österreichischen Integrationsfonds, der dem Integrationsministerium zugeordnet ist. (Maria Sterkl, 30.10.2015)

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