Staaten müssen für Klimaschutz nachbessern

31. Oktober 2015, 12:00
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UNFCCC bewertet die Pläne zur Einsparung von Treibhausgasen: Die Erderwärmung auf zwei Grad einzudämmen könne so nicht erreicht werden

Paris/Wien – UN-Klimachefin Christiana Figueres ist vorsichtig optimistisch. Ganz reichen die Vorgaben der UN-Mitgliedsstaaten im Vorfeld zu der entscheidenden Klimakonferenz im November in Paris jedoch nicht. Aber die Vorlagen der Staaten zeigten, dass "wir auf dem richtigen Weg sind", sagte sie.

Die Mitgliedsstaaten waren aufgerufen gewesen, ihre Pläne zur Einsparung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) oder Methan zu benennen. 147 Staaten haben ihre Klimaschutzpläne vorgelegt, die die UN-Organisation United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) bewertete. Damit sind immerhin 86 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen abgedeckt. Die EU mit ihren 28 Mitgliedern ist in diese Bewertung als ein Ganzes eingeflossen.

Werden all diese Zusagen umgesetzt, würde die Erdtemperatur um immer noch 2,7 Grad Celsius steigen. Das Ziel, die Erderwärmung bis 2100 unter der Marke von zwei Grad Celsius zu halten, würde also nicht erreicht. Die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels wird aber als wichtig angesehen, da ein stärkerer Temperaturanstieg zu irreversiblen Effekten führen würde, etwa beim Meeresspiegel – und diese Effekte vom Menschen nicht mehr beherrschbar wären. Johannes Wahlmüller von Global 2000 bezeichnet die vorgelegten Maßnahmen deshalb als vollkommen unzureichend. Mit den jetzt vorgelegten Maßnahmen würde lediglich der Zuwachs bei den Treibhausgas-Emissionen eingebremst.

Nachgeschärft muss werden

Dass in Paris noch entsprechend nachgeschärft werden muss, dessen sind sich die Experten einig. Knackpunkt wird vor allem, ob es wieder ein völkerrechtlich bindendes Abkommen wie das auslaufende Kioto-Klimaprotokoll gibt. Oder ob man sich nur auf lose Absichtserklärungen einigt. Volker Krey vom Laxenburger International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) streicht im Gespräch mit dem STANDARD hervor, dass das Ziel in Paris ist, die von den Ländern vorgelegten Maßnahmenpakete "in rechtlich bindende Ziele zu übersetzen".

Als positiv bewertet er, dass viele der vorgelegten Maßnahmenpakete zeigten, dass die Länder aus unterschiedlichen Gründen einen Prozess in Bewegung setzen wollen, der von einer fossilen, treibhausgasreichen Energiebereitstellung in eine nachhaltige, emissionsarme Wirtschaft mündet. "Da muss ja ein umfangreicher Prozess mit vielen institutionellen und technologischen Schritten in Gang gesetzt werden."

In vielen Ländern hatte es zu dem nationalen Bericht an die UNFCCC einen breiten öffentlichen Diskurs darüber gegeben, wie der Weg zu beschreiten sei. Für viele Schwellen- und Entwicklungsländer sei dabei im Zentrum gestanden, dass es gleichzeitig zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung kommt. So sind laut Bericht für viele Länder Wasserversorgung und Sicherung der Wasserqualität im Vordergrund gestanden, gefolgt von Sicherung der Landwirtschaft, da es ja vermutlich zu mehr Hitzewellen und Dürren kommen wird.

Die EU hat ihren bereits bekannten Vorschlag vorgelegt, bis 2030 die Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent reduzieren zu wollen. Welchen Anteil Österreich daran haben wird, ist noch nicht klar. Sicher ist, dass die geringen bisherigen Vorgaben (minus 16 Prozent gemessen an den Treibhausgas-Emissionen von 2005) nicht halten werden. Voraussichtlich wird Österreich nach 2020 den Treibhausgas-Ausstoß um zwischen 32 und 38 Prozent reduzieren müssen. (Johanna Ruzicka, 31.10.2015)

  • Radeln für weniger CO2: UN-Politiker Christiana Figueres und Ban Ki-moon mit Bambusrädern aus China bei einem früheren Klimatreffen.
    foto: epa/pawel supernak

    Radeln für weniger CO2: UN-Politiker Christiana Figueres und Ban Ki-moon mit Bambusrädern aus China bei einem früheren Klimatreffen.

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