Ein letztes Schiele-Blatt

30. Oktober 2015, 17:10
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In New York wird die Sammlung des Ex-Sotheby's-CEO Taubman versteigert

Alfred Taubman hat das Auktionsbusiness zwar nicht erfunden, aber sicherlich revolutioniert. 1983 erwarb der Immobilieninvestor mit einem Hang zu Einkaufszentren Sotheby's und setzte auf das Einzelhandelspotenzial. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Auktionen eine Domäne des Kunsthandels, der mit geheimen Absprachen Preise zu kontrollieren versuchte. "Al" nahm Privatkäufer ins Visier und leitete eine Wende ein, der zwangsläufig auch die Konkurrenz zu folgen hatte.

Am Rand des Ruins

Der Erfolgsgeschichte folgte ein Tiefpunkt: der Prozess um Kartellabsprachen zwischen Christie's (Christopher Davidge) und Sotheby's (Diana Brooks), der Sotheby's an den Rand des Ruins sowie Taubman, der bis zuletzt seine Unschuld beteuert hatte, eine Verurteilung zu einer Strafe von 7,5 Millionen Dollar und einem Jahr Gefängnis bescherte. Dazu waren für Zivilkläger und Aktionäre Kosten in der Höhe von 186 Millionen Dollar angefallen. Die letzten ihm verbliebenen Aktienanteile verkaufte er 2005 an das Auktionshaus. Im April dieses Jahres verstarb er 91-jährig in Michigan.

Garantierte 500 Millionen

Nun gelangt seine über Jahrzehnte aufgebaute Kunstsammlung, deren Bandbreite von Alten Meistern über Impressionisten bis zu zeitgenössischer Kunst reicht, bei Sotheby's in New York schrittweise zur Versteigerung. Laut New York Times soll Sotheby's der Familie im Vorfeld eine Garantie in der Größenordnung von 500 Millionen Dollar erteilt haben.

Kommende Woche gelangt in zwei Sales (4.-5. 11.) die erste und mit Hochkarätigem gespickte Tranche zur Versteigerung. Darunter befinden sich Meisterwerke von Rothko (zwei, auf je 20 bis 30 Mio. Dollar taxiert), ein de Kooning (Untitled XXI, 25-35 Mio. Dollar), vier Picassos (u. a. Femme assise sur une chaise, 25-35 Mio. Dollar) oder auch Amedeo Modiglianis Porträt Paulette Jourdain, das zumindest 25 Millionen Dollar einspielen soll.

Dazu gehören auch Aquarelle und Zeichnungen von Egon Schiele, die Taubman, wie Jane Kallir im Katalogbeitrag schildert, ab Mitte der 1980er-Jahre zu sammeln begann. Zu diesen Zeugnissen gehört etwa die Gouache eines sich entkleidenden Mädchens von 1911 (1,8-2,5 Mio. Dollar) oder auch das Porträt Lilly Steiner (350.000-450.000 Dollar), eine Kreidezeichnung, die er im Februar in London ersteigerte und die Schlusssequenz einer langjährigen Leidenschaft dokumentiert. (kron, Album, 30.10.2015)

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