Südafrika: Weniger HIV-Tote, doch Krankheit massiv unterschätzt

30. Oktober 2015, 16:10
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Zwölf Prozent der südafrikanischen Bevölkerung tragen das HI-Virus in sich – es ist Ursache für jeden dritten Todesfall

Nach einem Höchststand im Jahr 2007 ging die Sterblichkeit von HIV/Aids in Südafrika zwar deutlich zurück: Dafür sorgten effektive antiretrovirale Therapien. Dies bestätigt eine neue Studie im Magazin AIDS, das von der International Aids Society herausgeben wird. Dennoch bleibt HIV/Aids die häufigste Todesursache in Südafrika, wie eine Auswertung des South African Medical Research Council zeigt.

Die Forscher des Council entwickelten Modelle, um die Zahl der Todesfälle zwischen 1997 und 2010 zu untersuchen. Aufgrund der anhaltenden Stigmatisierung, versäumter Maßnahmen vonseiten der Regierung und anderen Faktoren wird die Dimension der Erkrankung immer noch dramatisch unterschätzt, so die Experten – sie sprechen von einer "ausgedehnten AIDS-Epidemie".

Denn obwohl zwölf Prozent der Bevölkerung das HI-Virus in sich tragen, sterben laut offiziellen Statistiken nur zwei bis drei Prozent aller Menschen in Südafrika an Aids. Die Forscher wollten es genauer wissen und entwickelten ihr eigenes Modell. Darin berücksichtigten sie besonders, dass Aids oft als Todesursache unerkannt bleibt oder eine andere Krankheit als solche festgemacht wird.

HIV unterrepräsentiert

Das Ergebnis der Auswertung: 1997 entfielen 14,5 Prozent aller Todesfälle auf Aids, 2006 waren es bereits 42 Prozent. Im Jahr 2010 schließlich war der Wert wieder leicht gefallen, auf 35 Prozent. "Im Zeitraum unserer Studie wurden lediglich sieben Prozent aller Aids-Toten auch korrekt als solche ausgewiesen", so die Forscher. Die Krankheit sei in offiziellen Statistiken deutlich unterrepräsentiert.

Dafür, dass die Zahlen der Forscher stimmen, spreche auch das vorhandene Datenmaterial über die Verfügbarkeit und Wirksamkeit der effektiven retroviralen Therapien. "Je früher HIV und Aids als normale chronische Erkrankungen behandelt werden, desto früher können wir die Epidemie beenden", lautet ihr Fazit. Dazu brauche es aber exakte Zahlen und verlässliche Monitoring-Methoden. (fbay, 30.10.2015)

  • Die Auswirkungen von Aids werden in Südafrika stark unterschätzt.
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    Die Auswirkungen von Aids werden in Südafrika stark unterschätzt.

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