Roma in Vorarlberg: Keine Notquartiere für bettelnde Familien

30. Oktober 2015, 16:07
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Die Versuche, Notquartiere für Roma-Familien zu schaffen, sind gescheitert. Die Landesregierung verspricht Rückkehrhilfe

Bregenz – Die schwarz-grüne Landesregierung zeige keine Lösungskompetenz in der Roma-Frage und sei gescheitert, kritisierte FPÖ-Chef Dieter Egger. Diesen Vorwurf will die ÖVP nicht auf sich sitzen lassen: Wild campierende und bettelnde Roma-Familien werden in Vorarlberg nicht mehr geduldet. Die Lösung heißt: zurück nach Rumänien – womit der Forderung Eggers nach einer "geordneten Rückführung der Roma in ihre Herkunftsländer" entsprochen wird.

Wie DER STANDARD berichtete, wurde vor einer Woche das Lager einer Roma-Familie in Dornbirn geräumt, in Bludenz wurde ihnen nur für wenige Tage Unterkunft geboten. Ebenfalls in Bludenz landete ein Teil jener Familien, die in Nenzing (Bezirk Bludenz) in einem Auwald froren. Die Grünen schlugen Notunterkünfte vor, Private boten Grundstücke an, die Hilfsorganisationen "Tischlein deck dich" und "Stunde der Herzen" packten an und organisierten für 100 Menschen ein Dach über dem Kopf und Betreuung.

ÖVP will keine Roma im Land

Egger fordert eine "geordnete Rückführung der Roma in ihre Herkunftsländer". Während Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) für nächste Woche ein Gespräch mit Gemeinden und Hilfsorganisationen über Hilfsprojekte ankündigte, wurden hinter den Kulissen von der Volkspartei bereits die Weichen gestellt: Der Dornbirner Stadtrat befürwortet ein Bettelverbot an Markttagen und ein generelles Verbot von Betteln mit Kindern. Auch in Bludenz denkt man über partielle Verbote nach. In Bregenz hat die Polizei ihre Kontrolle verstärkt.

Elmar Stüttler, Obmann von "Tischlein deck dich", der mit seinem Verein Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt, wollte für die Roma menschenwürdige Lebensbedingungen schaffen. "Wir haben alles versucht, aber man will die Roma hier nicht. Wir haben ihnen nun gesagt, dass sie keine Chance haben, hier bleiben zu können." Die Hilfsorganisationen haben den Familien nun angeboten, sie mit Bussen nach Rumänien zu bringen, einen Verein zu ihrer Unterstützung zu gründen und sie in ihrer Heimat zu unterstützen. Das Angebot wurde von fünf Menschen angenommen, die anderen wollen weiter in Vorarlberg bleiben.

Keine Notquartiere für EU-Bürger

Wohnraum werden sie weder von der Landesregierung noch von den Gemeinden bekommen. Soziallandesrätin Wiesflecker setzte sich gegenüber der Volkspartei nicht durch: Dauerunterkünfte für EU-Bürger jenseits des regulären Wohnungsmarktes könne man weder schaffen noch finanzieren, schreibt sie in einer Aussendung: "Was wir an Notquartieren haben, benötigen wir dringend für Flüchtlinge aus Syrien, die vor Krieg und Terror Schutz suchen." Die Landesregierung sei jedoch zur Rückkehrhilfe bereit.

Elmar Stüttler ist enttäuscht: "Wir könnten doch ein bisschen von unserem Luxus abgeben." Leider fehle dazu aber der politische Wille. (Jutta Berger, 30.10.2015)

  • Diese Familie musste ihr Zelt in Dornbirn räumen.
    foto: jutta berger

    Diese Familie musste ihr Zelt in Dornbirn räumen.

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