Flashback: Martin Scorseses "Goodfellas" 25 Jahre später betrachtet

2. November 2015, 13:47
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Im Herbst 1990 kam "Goodfellas" in die Kinos. Schon damals mit hymnischen Kritiken bedacht, gilt der Mafia-Film mittlerweile als cineastischer Meilenstein. Wie gefällt Ihnen der Klassiker?

Die Welt der Mafia bedeutet für den jugendlichen Henry Hill eine Welt, in der Gewalt, Mord und Luxus das Adrenalin liefern, das das Leben für den Jungen aus ärmlichen Verhältnissen lebenswert macht. 30 Jahre und diverse Verbrechen später, verät Hill seine ehemaligen Mitstreiter und taucht ab ins Zeugenschutzprogramm. Das Ende ist – zumindest aus Mobstersicht – ernüchternd. Hill wird, so seine Selbsteinschätzung, sein restliches Leben, als "schnook" verbringen, als Trottel, als Spießbürger im Reihenhaus. Gelangweilt, aber immerhin lebendig.

Als "Goodfellas" 1990 unter der Regie des damals 48-jährigen Martin Scorsese in die Kinos kam, wurde der Film als Gegenstück zu Coppolas "The Godfather" wahrgenommen. Wo in Coppolas Trilogie, deren letzer Teil ebenfalls 1990 erschien, selbst dem tragischen Ende noch eine gewisse Romantisierung innewohnt, der Mafia-Mythos greifbar bleibt, wirkt die Desillusionierung in "Goodfellas" radikaler.

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Men at work.

Gewaltausbrüche mit musikalischer Begleitung

Die Figuren, die teilweise auf realen Vorbildern basieren, sind in einen hohen Maße selbstbezogen, unberechenbar und letztlich illoyal. Den explizt dargestellten Gewaltexzessen liegt oftmals eine Willkür zur Grunde, die die Brutalität umso erschreckender werden lässt. Gleichzeitig ist das Werk auch von einer gewissen Coolness geprägt. "Goodfellas" ist ein durchaus stylischer Film. Der Musik fällt eine tragende Rolle zu; so werden beispielsweise Szenen, in denen Opfer verprügelt, gefoltert oder getötet werden, immer wieder mit kontrastierenden Songs untermalt. Dadurch erhalten die Sequenzen eine zynische Dimension und zugleich eine spezielle Ästhetik. Schnell geschnittenen Sequenzen folgen eingefrorene Bilder und die Stimme Hills aus dem Off kommentiert immer wieder resümierend und lakonisch das Geschehen.

Die Mischung macht´s

Schon zeitgenössische Kritiken strichen die Kongenialiät der Besetzung heraus. Mit Ray Liotta als Henry Hill wählte Scorsese einen bis dato relativ unbekannten jungen Schauspieler, für den "Goodfellas" den Durchbruch bedeuten sollte. Ihm zur Seite stand mit Robert de Niro eine Hollywood-Größe, mit der Scorsese bereits mehrfach zusammengearbeitet hatte. Lorraine Bracco, später auch bei den "Sopranos" erfolgreich, glänzt als luxus- und zwischendurch auch kokainabhängige Frau Hills. Vor allem aber beindruckt und erschreckt Joe Pesci in seiner Rolle als Tommy DeVito. Pesci, der prinzipiell die Rolle des cholerischen Spinners abonniert zu haben scheint, gewann für seine Darbietung des überspannten, ja psychotischen Mobsters Tommy 1991 den Oscar als bester Nebendarsteller.

Was sagen Sie zu "Goodfellas"?

"Goodfellas" gilt als einer der Höhepunkte in Scorseses Schaffen, der sich auch in "Mean Streets" (1973), "Casino" (1995) oder "The Departed" (2006) mit der Mafia auseinandersetzt. Teilen Sie diese Ansicht? Der Atlantic fragt sich anlässlich des Jubiläums gar: "Was Goodfellas the last truly great mobster film?" Ist seit nun mehr 25 Jahren also kein vergleichbar gutes Werk entstanden oder ist das Urteil überzogen? Welche anderen Werke, die sich mit dem Gangstertum beschäftigen fallen Ihnen ein und halten Sie für diskussionswürdig? Und: Ist "Goodfellas" besser als "The Godfather"? (jmy, 2.11.2015)

  • Too cool for school. Und so geht der 13jährige Henry Hill auch bald nicht mehr hin. Stattdessen wird er zum Laufbursche von Paulie Cicero (Paul Sorvino, 2.v.r.).
    foto: warner bros.

    Too cool for school. Und so geht der 13jährige Henry Hill auch bald nicht mehr hin. Stattdessen wird er zum Laufbursche von Paulie Cicero (Paul Sorvino, 2.v.r.).

  • Karen Hill (Lorraine Bracco) ist zwischendurch wenig amüsiert von den Aktivitäten ihres Mannes. Was sich allerdings nicht auf sein berufliches Tun bezieht.
    foto: warner bros.

    Karen Hill (Lorraine Bracco) ist zwischendurch wenig amüsiert von den Aktivitäten ihres Mannes. Was sich allerdings nicht auf sein berufliches Tun bezieht.

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