Chefredakteure fordern Pressefreiheit von Erdoğan

30. Oktober 2015, 11:05
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Mehr als 50 weltweit tätige leitende Journalisten fordern den türkischen Präsidenten auf, Pressefreiheit zu ermöglichen – Auch VÖZ protestiert

Wien – Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl fordern Chefredakteure internationaler Medien Präsident Recep Tayyip Erdoğan dazu auf, Pressefreiheit zu ermöglichen. Unterzeichnet haben den Brief unter anderem der Chefredakteur der New York Times, Dean Baquet, die internationale Nachrichtenchefin der Agence France-Presse (AFP), Michèle Léridon und STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.

Die Journalisten äußern in dem Brief, den die internationale Zeitungsorganisation WAN-IFRA veröffentlichte, Sorge bezüglich der sich verschlechternden Zustände der Freiheit der Presse in der Türkei. Die Zahl der Angriffe und Schikanen gegen Journalisten sei während der letzten zwei Monate dramatisch angestiegen.

Dazu zählen die Stürmung des Erdoğan-kritischen Medienkonzerns Ipek-Koza, Ermittlungen gegen die Zeitung Hurriyet wegen "Terrorpropaganda" und die Festnahme von Vice-Journalisten.

Das Versagen der türkischen Regierung, Journalisten zu schützen, schade dem internationalen Ruf des Landes, schreiben die Chefredakteure: "Wir teilen weitverbreitete Sorgen, dass die aktuellen Geschehnisse Teil einer abgestimmten Aktion sind, um Opposition oder Kritik an der Regierung im Vorfeld der Wahl verstummen zu lassen".

Thomas Kralinger, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ), schließt sich dem Appell der Redakteure an: "Wir betrachten die Entwicklungen in der Türkei mit großer Sorge. Die Türkei als demokratisches Land braucht die Weiterentwicklung einer starken, unabhängigen und freien Presse. Der Verband Österreichischer Zeitungen und die von ihm vertretenen Medienhäuser bekennen sich zu einer Stärkung der Pressefreiheit. Dieses Bekenntnis erfolgt aufgrund der Überzeugung, dass jede Demokratie eine unabhängige und freie Presse braucht. Die gilt ebenso für die Türkei. Wenn die Pressefreiheit eingeschränkt wird, dürfen wir nicht wegsehen", heißt es in einer Aussendung. (red, 30.10.2015)

  • Die türkische Polizei setzt Wasserwerfer gegen Unterstützer und Mitarbeiter eines kritischen Medienkonzerns ein.
    foto: afp/usame ari

    Die türkische Polizei setzt Wasserwerfer gegen Unterstützer und Mitarbeiter eines kritischen Medienkonzerns ein.

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