Anker bis Haiattacken: Unterseekabel überraschend anfällig

30. Oktober 2015, 09:59
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Nicole Starosielski ist in einem neuen Buch der Geschichte und Sicherheit der Unterseekabel nachgegangen

In der Nähe von Unterseekabeln werden derzeit auffällig oft russische U-Boote beobachtet. Dieser Bericht der "New York Times" hat kürzlich für Aufregung gesorgt. Abgesehen von Spionage könnte durch die Manipulation der Infrastruktur unter der Meeresoberfläche enormer Schaden angerichtet werden. Ein neues Buch zeigt auf, wie fragil das Netzwerk der Unterseekabel tatsächlich ist.

Knapp über 200 Systeme

Für ihr Buch "The Undersea Network" hat Nicole Starosielski von der New York University laut Wired sechs Jahre lang das Unterseenetzwerk studiert. An Land sorgen genügend Backupsysteme dafür, dass Ausfälle selten lange andauern. Doch zwischen den Kontinenten wird der Internetverkehr lediglich von knapp über 200 Systemen geleitet. Die Kabel folgen sehr engen Routen und kommen meist nahe beieinander an Land. Grund dafür sind laut Starosielski nicht nur topografische Bedingungen, sondern auch politische.

Das erste transozeanische Telegrafen-Kupferkabel wurde schon 1866 im Atlanik verlegt. In den 1950ern folgen Koaxialkabel für Telefonie, in den 1990ern Glasfaserkabel. Für Spionage und Sabotageakte war das Unterseenetz schon immer interessant, wie Berichte aus den 1950ern und 70ern zeigen. Allerdings braucht es laut Starosielski keine menschlichen Angreifer, um das fragile System zu stören.

Erdbeben und Haiangriffe

So sorgte im Jahr 2006 ein Erdbeben in Taiwan für Internetausfälle. Google berichtete von kuriosen Vorfällen, bei denen Haie die Kabel angriffen. Eine spezielle Beschichtung soll dafür sorgen, dass die Tiere die Kabel nicht durchbeißen können. Bei den meisten Zwischenfälle sind laut Starosielski Nachforschungen aber Ankern und Fischernetze involviert, an denen die Kabel hängen bleiben. Die Routen der Kabel sind daher für Boote auf Karten sowie durch Bojen markiert. Dadurch wissen allerdings auch potenzielle Saboteure, wo die Routen genau verlaufen.

Die Routen der Kabel kann man in interaktiven Karten auf Surfacing.in sowie auf Submarinecablemap.com nachverfolgen. (red, 30.10.2015)

  • Unterseekabel in Kuba.
    foto: epa/miguel rubiera

    Unterseekabel in Kuba.

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