Der Handel zwischen zwei Welten

31. Oktober 2015, 10:00
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Die Retailer überlegen weiterhin, wie sie der Herausforderung durch Online-Handel begegnen können

Die "Bedrohung" des stationären Handels durch das wachsende Online-Geschäft war einmal mehr das große Thema des jüngsten "Retail-Expertenforums" der RegioPlan. Händler müssten schlicht und einfach begreifen, dass "das Internet eine unglaublich starke Macht über Konsumenten hat", empfahl dabei etwa Andreas Winiarski, Konzernsprecher des börsennotierten deutschen Internet-Unternehmens Rocket Internet.

Er zitierte aktuelle Kundenbefragungen, wonach im stationären Handel mittlerweile das WLAN-Angebot als wichtiger empfunden werde als kompetente Beratung. "Konsumenten informieren sich lieber selbst und können online schneller zu einer Ware gelangen, wenn diese stationär nicht verfügbar ist", so die Begründung.

Dennoch würden sich Konsumenten einen guten Service und eine stationäre Anlaufstelle erhoffen, wenn das Produkt fehlerhaft ist oder sie andere Bedenken haben. "Das ist die große Chance des Handels." Ein Händler, der keine mobilen Optionen habe, könne aber "gleich wieder schließen", so Winiarski. Der Königsweg laute also, "das Beste aus beiden Welten verbinden". Dabei gelte es aber auch, Zielgruppen möglichst scharf zu definieren, betonte RegioPlan-Chefin Hania Bomba, denn man könne es nicht immer allen recht machen und versuchen, jeden Einzelnen anzusprechen.

Rückkehr der Monostores

Beim im Anschluss stattfindenden "Umdasch Architektur- & Design-Forum" ging die niederländische Trendforscherin Lidewij Edelkoort von einer Stagnation des Online-Handels aus, weil viele Anbieter keinen Wert auf Ästhetik im Internet legten – wie sie etwa mit Produktfilmen erreichbar wäre.

Edelkoort rechnet auch mit einer Rückkehr der "Monostores" – von Geschäften also, die sich auf nur ein Produkt spezialisieren. "Überall auf der Welt, wo ich bin, stehen die Menschen Schlange vor solchen Shops – und nicht vor den Geschäften, die alles verkaufen", meint sie und verweist beispielsweise auf den Hype rund um neue Donut-Stores.

Ein Bereich, in dem sich der Online-Handel zumindest in Österreich noch nicht wirklich durchgesetzt hat, ist der Lebensmittelhandel. "Das ist ein extrem sinnlicher Vorgang", erläuterte Werner Wutscher von New Venture Scouting. Die Konsumenten würden das Obst nämlich vor dem Kauf anschauen und angreifen wollen.

Vom Planen von Shoppingtempeln auf der ganzen Welt berichtete am Ende des Tages der Stararchitekt Daniel Libeskind. "Vergessen Sie alte Shoppingcenter", sagte er zum Publikum. "Schaffen Sie wunderschönen Raum und verstecken Sie sich nicht, indem Sie eine Schachtel bauen." (zof, 31.10.2015)

  • Das Westside an der Peripherie von Bern wurde 2008 eröffnet und von Daniel Libeskind entworfen. Es umfasst neben Shoppingflächen und einem Kino auch eine Seniorenresidenz und ein Erlebnisbad.
    foto: reuters/stefan wermuth

    Das Westside an der Peripherie von Bern wurde 2008 eröffnet und von Daniel Libeskind entworfen. Es umfasst neben Shoppingflächen und einem Kino auch eine Seniorenresidenz und ein Erlebnisbad.

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