Areva braucht staatliche Geldtransfusion

30. Oktober 2015, 07:33
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Frankreich wird mehrere Milliarden Euro in den angeschlagenen Atomkonzern pumpen und sich an einer Kapitalerhöhung beteiligen

Paris – Der französische Staat wird wohl schon bald mehrere Milliarden Euro in den angeschlagenen Atomkonzern Areva pumpen. Das Unternehmen erklärte am Donnerstag, voraussichtlich noch in diesem Jahr über eine Kapitalerhöhung zu entscheiden. Der Staat hält 87 Prozent der Anteile an dem Unternehmen, das seit Jahren Verluste schreibt.

Analysten erwarten, dass sich der Staat an der Kapitalerhöhung mit mehreren Milliarden Euro beteiligt. Areva und der Branche insgesamt macht zu schaffen, dass seit der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 weniger Atomkraftwerke gebaut werden.

Milliardenverlust und Jobabbau

Areva erklärte zudem, seine Verluste inzwischen eingedämmt zu haben. So gehe man davon aus, dass der Fehlbetrag in diesem Jahr nahe 1,3 Milliarden Euro liegen werde. Bisher hatte der Konzern eine Spanne zwischen 1,3 und 1,7 Milliarden genannt. Für die bereits angekündigte Streichung von 2700 Arbeitsplätzen will Areva im vierten Quartal "signifikante" Rückstellungen bilden. Der Umsatz im Konzern stieg in den ersten neun Monaten um rund zehn Prozent auf 2,95 Milliarden Euro.

Areva hatte bereits vor einigen Monaten angekündigt, wie von der Regierung angestrebt eine Mehrheit an seiner Reaktorsparte an den französischen Stromversorger EdF zu verkaufen. Der Staat hält auch 85 Prozent der Anteile an EdF und ist an der Lösung der Probleme bei Areva stark interessiert.

Staat erwägt Verkauf von Renault-Aktien

Ebenfalls verkaufen könnte die französische Regierung einen Teil der staatlichen Renault-Aktien, und zwar im kommenden Jahr. Der Staat könnte mit dem Schritt seinen Anteil wieder auf 15,01 Prozent reduzieren, sagte Industrieminister Emmanuel Macron der Zeitung "Les Echos". Die Regierung hatte ihren Anteil im April auf 19,7 Prozent erhöht und damit mehr Einfluss bei dem Autobauer bekommen.

Sie wollte so die französischen Interessen wahren und Renault vor besonders umtriebigen Investoren und Spekulanten schützen. Renault warnte damals dagegen, dass der Schritt die Allianz mit Nissan gefährden könne. Die beiden Autokonzerne arbeiten seit mehr als 16 Jahren eng zusammen und haben ihre Partnerschaft kürzlich vertieft. (APA/Reuters, 30.10.2015)

  • Die großteils in Staatsbesitz befindliche Areva muss tausende Stellen abbauen.
    foto: reuters/charles platiau

    Die großteils in Staatsbesitz befindliche Areva muss tausende Stellen abbauen.

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